Twin Peaks – Nur noch 48 Stunden…

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„Wir leben in einem Traum“ sagte einst Philipp Jeffreys im Kinofilm zu meiner persönlichen Lieblingsfernsehserie „Twin Peaks“. Doch nun wird ein Traum wahr. Leser dieses Blogs wissen, dass wenn es eine Sache gibt, die ich in den letzten 2 1/2 Jahren immer wieder gehyped habe, dann war es die Ankündigung dessen, dass die Serie am 21. Mai auf dem US Sender Showtime mit 18 neuen Folgen einer dritten Staffel nach mittlerweile 25+ Jahren wieder auf Sendung geht. Nachdem ich mich mit Berichten über jeden einzelnen Trailer und Schnippsel zurückhielt, folgt nun eine Zusammenfassung dessen, was wir soweit aus der neuen Staffel zu sehen bekamen…

Twin Peaks – Now in Production

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Eigentlich begann es noch recht einfach. Der erste Teaser zeigte im Grunde genommen nichts anderes, als das allbekannte Stadtschild der titelgebenden Stadt Twin Peaks. Verhüllt in einen Vorhang wird es entblößt und …. ja und das war es dann auch schon für eine ganze Zeit gewesen. Die große Frage, die sich mir persönlich stellt, ist die Einwohnerzahl. Hat Twin Peaks es tatsächlich geschafft, jeden Verstorbenen mit einem Neugeborenen oder einem neu zugezogenen Bewohner zu ersetzen?

Angelo Badalamenti Returns

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Im März 80 Jahre alt geworden, war es lange nicht klar, ob der Komponist sich für die Serie erneut ans Klavier setzen wird. Und dass er es tat, sorgte für ein Aufatmen bei mir, denn seine Musik ist es, die untrennbar mit Twin Peaks und seiner Atmosphäre verbunden ist. Mehr noch, ist seine Musik festes atmosphärisches Element vieler Filme von David Lynch. Ob Wild at Heart, Blue Velvet, Lost Highway oder Mulholland Drive. Der Soundtrack Badalamentis sorgt für Gänsehaut in jeder Zusammenarbeit mit Lynch und verbindet die Filme inhaltlich durch die Macht der Musik, so dass man einfach spürt, dass sie im selben Universum spielen. Als Badalamenti seine Mitarbeit bestätigte, war das der Anlass, einen kleinen Teaser mit ihm am Klavier zu veröffentlichen.

Kyle MacLachlan and the Cast talk about returning

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In einem weiteren Trailer sah man ein paar der bekannten Darsteller in alten Rollen, allen voran Kyle MacLachlan zurechtgemacht als Dale Cooper. Und ich war positiv überrascht. Denn schon kurz nach der Ausstrahlung der Serie in den 90ern sah man MacLachlan immer wieder mehr schlecht als recht in verschiedenerlei Rollen. Filme wie „The Doors“ oder das Verhoeven-Disaster „Showgirls“ zeigten, dass MacLachlan allerhand Federn gelassen hatte und spätestens ab Auftritten in Serien wie Sex & The City oder Desperate Housewives machten mir als Zuschauer klar, dass es von Jahr zu Jahr schwerer werden würde, in die Rolle des jungenhaften FBI-Agents zurückzukehren. Aber als ich ihn in diesem kurzen Teaser sah, war mir klar, dass er die Rolle noch spielen kann.

David Lynch Returns as Gordon Cole

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Und natürlich lässt auch Federführer David Lynch es sich nicht nehmen, erneut in seine Cameo-Rolle von Coopers Vorgesetztem Gordon Cole zu schlüpfen. In dem kurzen Teaser machte er eigentlich nichts anderes, als in einem Raum mit Aktenschränken zu sitzen und etwas unglaubliches zu tun: Er isst einen Donut. Ich muss gestehen, dass ich von diesem 33-sekündigen Teaser gleichermaßen begeistert wie auch enttäuscht war. Aber dieses Gefühl sollte sich mit den kommenden Ausschnitten nicht verändern.

Kyle MacLachlan Returns as FBI-Agent Dale Cooper

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Auch der nächste Teaser sollte nicht weniger unspektakulär werden. Ein dunkler Ort an dem von hinten nach vorne eine Gestalt ins Bild kommt und an der Kamera vorbei schaut: Dale Cooper. Twin Peaks ohne ihn wäre wie „Ausgerechnet Alaska“ ohne Doktor Fleischman. Sichtlich gealtert kann man als Betrachter dieser Szene in keinster Weise sagen, was in Cooper vorgeht. Ist er noch von Bob besessen? Welches Gefühl äussert sein Gesichtsausdruck? Ist er in Sorge oder Trauer? Denkt er über etwas bestimmtes nach? Noch 48 Stunden und wir erfahren es.

Damn Good Coffee, Mirror Tease und Body Tease

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Was wäre unser lieber Dale ohne seine Tasse Kaffee? Wahrscheinlich würde er zu Lorelai Gilmore mutieren. Seine Liebe für heissen rabenschwarzen Kaffee verdeutlichte der nächste Trailer, der quasi ein Best Of Coopers bereits bekannter Lobhymnen auf Kaffee darstellen sollte. Muss dazu noch mehr gesagt werden? Auch ein paar der kommenden Trailer sollten Zusammenschnitte altbekannte ikonischer Szenen  darstellen. Im Mirror Tease schlägt Dale Cooper sein Gesicht gegen einen Spiegel und im Body Tease sehen wir wie Laura Palmers Antlitz aus einer gewissen Plastikplane freigelegt wird.

Key Art Tease

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Nicht viel aber doch mit einem kleinen Hinweis erschienen Anfang des Jahres 2017 zwei ikonische Key Art-Poster, die in einem entsprechenden Videosnippet vorgestellt wurden. Der altbekannte Satz „Its happening again“ im Bezug auf die neue Staffel wirft dabei ein doppeldeutiges Fragezeichen auf. Meint es einfach nur, dass die Serie wiederkommt? Oder meint es im Sinne jenes Riesen der den Satz aussprach, dass Bob wieder tätig werden wird? „Noch 48 Stunden“ kann ich auch hier wiederkäuen.

Weitere Best Of-Trailer

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Die folgenden Trailer sollten sich thematisch auf weitere altbekannte Szenen konzentrieren. Die Frauen von Twin Peaks, Die Charaktere von Twin Peaks, Die Leckereien von Twin Peaks. Coopers und Trumans Bromance und die Anrufe in Twin Peaks. Ob es nötig war, sei dahingestellt, allerdings folgte kurz darauf der beeindruckende und mutige Trailer „The Darkness of Future Past“, der (Achtung!) praktisch alle wichtigen Szenen der ersten zwei Staffeln und des Kinofilms zusammenfasste, und jegliche Geheimnisse für Neueinsteiger verdarb. Mir als erklärtem Feind der Spoiler-Pussy schmeckte das sehr wohlig, denn ich verstand es als Statement von David Lynch und Mark Frost bezüglich aller Zuschauer: „Also wenn ihr es immer noch nicht geschaut habt, ist Euch nicht mehr zu helfen. Pech gehabt. Lauras Mörder ist Leland Palmer, der vom Dämon Bob besessen war und von dem am Ende der Serie Cooper in Besitz genommen wird. Ätsch!“ Sowas mag ich. Denn Fakt ist, dass ich so vielen Menschen diese Serie in den letzten Jahrzehnten näherbringen wollte und es mir nur selten gelungen ist. Allen bei denen es nicht geklappt hat, sei dieser Trailer ans Herz gelegt.

Entertainment Weeklys Twin Peaks Special und die Revival Portraits

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Im März kam man erstmals auf die Idee, ein paar Fotos aus der Serie zu zeigen von der aktuellen Interpretation der vielgeliebten Charaktere. Besonders hierbei, wie gut die meisten Schauspieler gealtert sind und wie sehr sie doch visuell mit ihren Rollen verbunden sind. Ich habe es immer wieder erlebt, dass ich jemanden aus Twin Peaks in anderen Produktionen gesehen habe und dann hiess es nie: „Schau mal, da ist Sherilyn Fenn“, sondern „Ach guck! Da ist ja Audrey Horne!“. Diese Fotos erzeugten wahrlich Gänsehaut bei mir. Ob David Duchovny als Denise Bryson oder Mädchen Amick und Peggy Lipton als Shelly Johnson und Norma Jennings. Allesamt in Würde oder keinen Tag gealtert. Lediglich Harry Goaz als Deputy Andy ist wahrlich ziemlich alt geworden, ganz zu schweigen von der fragwürdigen Frisur von James Hurley. Eine Zusammenfassung jener Fotos wurde in der Zeitschrift „Entertainment Weekly“ abgedruckt, die mir leider nicht in die Hände fallen konnte.

The Town of Twin Peaks

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Relativ belanglos aber doch atmosphärisch gelungen präsentierte sich der Teaser „The Town of Twin Peaks“, der nicht mehr und nicht weniger als die altbekannten Gebäude der Serie präsentiert. Ob die Polizeiwache, das Palmer Haus oder das Great Northern Hotel. Alle sind zu sehen, aber nicht was darin vorgeht. Wesentlich interessanter sollte es aber im nächsten Trailer werden.

Some familiar Faces after 25 Years

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Der nächste 1minütige Teaser sollte mir die Tränen in die Augen treiben. Eine Straßenspur, die an Lost Highway erinnert. Big Ed sitzt am Schreibtisch und schaut so mißmutig drein, als wolle er sich gleich die Kugel geben. Carl Rodd schaut in den Himmel, als würde er ein Ufo sehen. Grace Zabriskie als Sarah Palmer deckt sich offenbar mit Alkohol ein. Deputy Andy steht im Wald. Hawk haucht ein überzeugtes „Really“ und Agent Cooper zieht wieder seinen geheimnisvollen nichtssagenden Gesichtsausdruck. Twin Peaks-Logo und 30 Sekunden Bäume im Wind in der Nacht. Und ZACK war das Gefühl wieder da, dass mich erinnerte, dass es in wenigen Wochen weitergehen würde. Doch heute sind es nur noch 48 Stunden….

It is happening again

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Eigentlich gab es noch ein paar mysteriöse Wortpuzzle-Trailer und einen kurzen Trailer, in dem die Produzenten selbstbewusst schriftlich betonten, dass die Fernsehlandschaft ohne Twin Peaks heute eine andere wäre (Eine These, die ich ebenfalls vertrete). Wesentlich interessanter wurde aber der vor einer Woche erschienene Trailer „Its happening again“. Erstmals sind neue Charaktere neben alten zu sehen, ohne dass man sich weiterhin einen Reim darauf machen könnte. Um es genauso kryptisch zusammenzufassen, wie es aussieht: Eine Treppe im Dunkeln wird hochgehetzt (vielleicht im Palmer-Haus? Denn wo sonst war eine Treppe visuell so oft betont worden?). Agent Cooper geht an einer Mauer vorbei. Andy holt einen Picknickkorb aus dem Kofferraum. Ein verwitterter Wohnwagen im Wald (Vielleicht von Carl Rodd?).

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Schauspieler Ben Rosenfield (kein Verwandter von Albert) sitzt auf einem Sofa und schaut über die Kamera hinweg (Lebt er überhaupt? Er sieht total reglos aus!). Die Linse einer Überwachungskamera ist zu sehen. Schauspielerin Madeleine Zima sagt zu jemandem „Try me“ im Sinne von „Stelle mich auf die Probe“. Eine beleibte Frau stampft mit Einkäufen unterm Arm und Pudel durch einen Gang. Eine debil aussehnde ältere Frau schaut nach unten (Damon Lindelof behauptete, es würde sich um eine maskierte Laura Dern handeln. Dies wurde bereits dementiert. Jedenfalls könnte diese Person eine Gestalt aus der schwarzen Hütte sein.). Lucy sitzt an der Polizeirezeption. Aussenaufnahme vom Road House. Innenaufnahme vom Roadhouse mit Shelly Johnson und drei weiteren Damen, die verschwörerisch an einem Tisch sitzen. Eine rothaarige junge Frau in Unterwäsche auf einem Bett im Great Northern sitzend haucht panisch in den Telefonhörer: „Er kommt, wir müssen auflegen!“. Gordon Cole und Albert springen auf. Cooper sitzt am Steuer des Autos. Twin Peaks-Logo wird eingeblendet.

Episode ---

Und was wissen wir jetzt über die neuen Folgen, die in 48 Stunden anlaufen?

Ganz einfach! Nichts! Die Werbetrommel für die Serie läuft auf Hochtouren, die die leiseste Information über die Handlung bleibt ein Geheimnis. In Zeiten, in denen Trailer (noch dazu in dieser Zahl) praktisch jede sehenswerte Szene vorab zeigen, wird bei Twin Peaks der entgegengesetzte Weg eingeschlagen. Ich jedenfalls bin gespannt wie ein Flitzebogen, freue mich auf die unzähligen altbekannten Freunde, die ich wieder bei ihrem Treiben sehen darf und bin allerdings noch ein wenig skeptisch über die neuen Gesichter. Ich muss ehrlich gestehen, dass sie sich ein wenig wie Eindringlinge in meinen liebsten Fernsehkosmos anfühlen, aber ich glaube tief und fest daran, dass ich sie möglicherweise genauso lieben lerne, wie all die alten Gesichter, auf die ich mich so freue. Nur noch 47 Stunden….

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3 Gedanken zu „Twin Peaks – Nur noch 48 Stunden…

    • Das Gefühl in den letzten 2,5 Jahren in denen ich öfter mal was zur Serie schrieb, war megakrass. Immerhin bin ich Fan der ersten Stunde. Ein entgültiges Fazit hebe ich mir noch auf, auch ob ich ein zwischenzeitliches innerhalb eines Berichtes hier ziehen werde.

      Die neuen Folgen und wie auf sie hingearbeitet wurde, sehe ich bislang mit gemischten Gefühlen. Manches Element ist altbekannt und super, Manches neue Element ist neu und super ABER manches neue Element ist auch neu und eigenwillig. Gut, das ist David Lynchs Werk häufig bei Erstsichtung.

      Und wenn es so bleibt, dann muss ich da mit anderen Maßstäben werten, so wie ich beispielsweise einen Film von David Lynch bewerten würde. Bezogen auf die Formel, die Twin Peaks bis Staffel 3 gefahren hat, fällt es in dieser Erwartung ein wenig ab. Mir stellt sich auch die Frage, warum Mark Frost überhaupt noch im Boot ist, wenn sein Einfluß bislang kaum spürbar war.

      Bis jetzt ist es ne One-Man-Performance von David Lynch, zeigt starke Einflüsse von Inland Empire und sagt allen, die was anderes erwartet haben: „Hört zu, Kinder. Das ist nicht Eure Serie, sondern meine Serie.“ So in etwa hat Lynch das vor Jahren auch mal bei einer Fan-Audition zum Besten gegeben, als ein Fan ihn mit Ideen wie es weitergehen könnte konfrontierte.

      Nichts habe ich mir in den letzten 25+ Jahren sehnlicher gewünscht, als eine dritte Staffel Twin Peaks. Nun habe ich dieses Geschenk bekommen, es ausgepackt und das Gefühl „Das ist nicht ganz das, was ich wollte.“ – Das selbe Gefühl hatte ich aber auch mit einer Pfeffermühle, die ich letztes Jahr geschenkt bekam. Ich beschmunzelte das Geschenk, aber mittlerweile ist es täglich in Gebrauch und mein bester Freund.

      Ich glaube das wird bezogen auf Twin Peaks haargenau so sein. Ich habe momentan aber immer noch gewisse Erwartungen und Hoffnungen für Inhalt und Erzählweise. Aber ich muss damit rechnen, dass die alle nicht berücksichtigt und zerschlagen werden und ich frustrierter werde, umso weiter die Serie voranschreitet.

      Das hätte beim Zwischenfazit zur Folge, dass ich die jeweilige Folge zu oberflächlich und egoistisch einschätzen würde. Ich weiss aber auch, dass sobald die Serie zu Ende sein wird und ich 2 bis 3 Wochen darüber reflektiert oder sie erneut geschaut haben werde, die erwähnten anderen Maßstäbe zum Tragen kämen, die eine fairere Bewertung darstellen werden, als sie es jetzt tun.

      Der Letzte Trailer mit den neuen Darstellern beispielsweise implizierte für mich, dass diese Charaktere allesamt längere Zeit in der Serie zu sehen sein werden. Lustigerweise wurden die meisten bereits verheizt, womit die neuen „Eindringlinge“ in den Serienkosmos ausgemerzt wurden. Ebenfalls die Tatsache dass ich den mir bekannten Cooper in einer Demenz-Version ertragen muss, schmeckt mir bislang nicht, genausowenig wie das langsame Tempo, das Fehlen von Musik oder der Tatsache, dass Twin Peaks als Ort zu einem belanglosen Nebenschauplatz verkommt. Auch dass Aus- und Eingänge der schwarzen Hütte nun offenbar nicht nur am Glastonbury Grove zu finden sind, sondern auch in Las Vegas und New York abrufbar sind, empfinde ich als inhaltlichen Bruch. Aber wäre es fair, die dritte Staffel darauf zu reduzieren und zu verreissen? Ich bin mir bewusst, dass es das nicht wäre und deshalb halte ich mich hier soweit es geht zurück. 🙂

      Soweit nachvollziehbar für Dich? 😉

      Lieben Gruß

      Flimmervielfalt

      • Klar, absolut nachvollziehbar! Bis auf den Kritikpunkt des langsamen Tempos, da „Twin Peaks“ insbesondere in Staffel 1 schon sehr einer ruhigen Schnitzeljagd glich, in der immer Schritt für Schritt die Hinweise gesammelt wurden, ohne dass man dabei des Rätsels Lösung wirklich näher kam.

        Mir persönlich kommt zugute, dass ich sehr großer Fan von Lynch-Filmen wie BV, LH und MD bin und die alten „Twin Peaks“-Folgen unter seiner Regie auch für die besten der Serie hielt, weshalb ich von seinem jetzigen Einfluss wohl gar nicht genug kriegen kann. 😉 Frosts genauen Anteil kann ich heute wie früher nicht ganz genau einschätzen. Ich erinnere mich an seine Solofolge „The Last Evening“ zurück, das S1-Finale, welches fast schon wie ein konventioneller Mix aus Thriller und Soap wirkte – ohne die Portion TP-Weirdness. Die Bad-Cooper-Szenen aus 1×01 + 1×02 könnte Frost aber doch durchaus geschrieben haben, oder? Dazu Figuren wie Bill Hastings oder Sheriff Truman? Man weiß es halt nicht so genau, weil vor allem in der Regie dann der Lynch-Stil durchkommt.

        Ansonsten sehe ich es so, dass „Twin Peaks“ anno 1990 doch gerade deshalb etwas Besonderes war, weil es komplett anders als alles bisher Dagewesene erschien. Wäre es da nicht fast schon zu konventionell, die dritte Staffel quasi als auf Nummer sicher gehendes Fanservice-Projekt zu gestalten? Ein bisschen Coffee & Pie hier, ein bisschen Black Lodge da, den Plotschund aus Mid-Season 2 raus – und alle wären happy. Ja, vielleicht. Aber irgendwie bin ich doch glücklich darüber, dass ich nun doch ziemlich überrascht wurde und absolut keinen Plan habe, was die nächsten Wochen in diesem ambitionierten Monstrum von 18-Stunden-Film auf mich zukommen könnte. Von Amnesia-Cooper, der erst in 3×17 + 3×18 geheilt zurück nach Twin Peaks kommt, bis zu „der Kaffee hat ihn bereits zurück in die Realität geholt“ halte ich im Moment alles für möglich.

        Ich weiß schon, wie du deine Kritik meinst – nämlich dass bei aller Veränderung der „Ton“ der Serie doch noch getroffen werden sollte. Ich hatte aber gerade in 1×04 das Gefühl, dass man sich diesem Stil immer weiter annähert (die Bobby-Szene mit „Laura Palmer’s Theme“!) – und diese Entwicklung sich meiner Vermutung nach nicht nur stilistisch (z.B. mit der noch fehlenden Norma samt Double R Diner!), sondern auch logistisch fortsetzen wird, also dass im Laufe der Zeit alle Handlungsstränge in Twin Peaks zusammenlaufen werden. Aber klar, im Moment haben wir erst einmal nur diese 4 Folgen – und da sind deine Kritikpunkte legitim. Ich ziehe für mich hingegen den Ansatz vor, Lynchs Tour de Force zunächst bedingungslos zu folgen und mir am Ende das Gesamtwerk anzuschauen.

        Ich habe bei den Black-Lodge-Geschehnissen zum Beispiel überhaupt keine bestimmte Erwartungshaltung. Das ist Lynchs Welt, dazu habe ich mir nie eigene fortsetzende Fanfiction-Gedanken machen können oder wollen. Da lasse ich ihn einfach mal machen. 😉 Wenn Audrey Horne nur einen Kurzauftritt bekäme, wäre ich allerdings wiederum auch enttäuscht.

        Grüße!

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