Interstella 5555 – „One more Time!“

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Drei Dinge gibt es, die ich mir immer wieder zu Gemüte führen kann. French House, Japanische Zeichentrickfilme und Science Fiction. Wie wäre es denn, alle drei Elemente mal miteinander vereint zu sehen. Aber das sind ja drei Wünsche auf einmal! Das geht nun wirklich nicht. – Doch, es geht! In dem fantastischen Musik-Film „Interstella 5555″….

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Als ich Anfang der 2000er Jahre zum ersten Mal auf Musiksendern das Video zu „One more Time“ sah, hatte ich ein Gefühl von Deja Vu. „Das kenne ich doch!“ kam es mir in den Sinn. Und natürlich kannte ich es…irgendwie. Denn das animierte Musikvideo mit blauen Ausserirdischen, die entführt werden war komplett im unverkennbaren Zeichenstil Leiji Matsumotos gehalten, einem japanischen Geschichtenerzähler, den ich seit meiner Kindheit sehr zu schätzen weiss. Bereits Anfang der 90er hatte ich begeistert auf dem Privatsender Tele5 mit „Die Königin der Tausend Jahre“ meine persönliche Einstiegsdroge in Sachen japanischer Zeichentrickserien erlebt. Natürlich hatte ich schon zuvor ernstzunehmende japanische Zeichentrickfilme gesehen und natürlich auch Serien wie „Heidi“ oder „Biene Maja“ verfolgt, doch „Die Königin der Tausend Jahre“ war anders. Trotz einiger lustiger Elemente war die Mischung aus Mystery und Science Fiction durchgehend düster gehalten, ja es ging sogar um den bevorstehenden Weltuntergang am 9.9.1999 um 9 Uhr 9 Minuten und 9 Sekunden. Auch später konnte ich mit  Filmen wie „Arcadia of my Youth“ oder „Galaxy Express 999“ mein Wissen um Matsumoto erweitern und die Epik und Tragik seiner Geschichten miterleben.

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Und nun ein Musikvideo in diesem Zeichenstil. Wie groß war die Überraschung, als ich paar Wochen später ebenfalls auf einem Musiksender eine Fortsetzung des Videos entdeckte. Die Ambition alle der Daft Punk/Matsumoto-Videos aufzuzeichnen verlief im Sande, denn wie man weiss, werden sie auf Musiksendern beliebig und unangekündigt gesendet. Ausserdem ist es Fakt, dass jedes weitere der Videos zunehmend seltener gesendet worden ist. Obwohl jeder zu „One more Time“ abfeierte, waren die folgenden Songs und Videos zu Unrecht stiefmütterlicher behandelt worden. Aber erfreulicherweise wurden sämtliche Videos dieser einmaligen Zusammenarbeit schliesslich zu einem Film namens „Interstella 5555“ zusammengefasst. Die 5555 steht dabei für „The 5tory of the 5ecret 5star 5ystem“, bezieht sich aber auch auf die Motivation des Bösewichts im Film dem Sohn des Earl of Darkwood, 5555 goldene Schallplatten zu sammeln.

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Und er lässt nichts aus, dieses Ziel zu erreichen und entführt kurzerhand eine 4-köpfige ausserirdische Band zur Erde. Versehen mit neuen Erinnerungen, Hautfarbe und Image feiern die vier beachtliche Erfolge auf der Erde, und sprengen als „Crescent Dolls“ die Charts mit ihrem Hit „One more Time. Doch Hilfe naht im Raumfahrer Shep, einem großen Fan der ursprünglichen Band auf ihrem Heimatplaneten. Als er von der Entführung erfährt begibt er sich mit seinem Schiff durch ein Portal in Richtung Erde, auf der er abstürzt. Als er die „Crescent Dolls“ ausfindig macht, reaktiviert er deren Erinnerungen an ihr früheres Leben. Ihm und drei Mitgliedern der Band gelingt die Flucht, die Bassistin jedoch verbleibt unter der Kontrolle des Produzenten. Bei der Verleihung der goldenen Schallplatte fällt ihr jedoch eine Visitenkarte des Produzenten in die Hände, worauf das Blatt sich zu wenden beginnt. Ob die Band es zum Heimatplaneten zurückschafft, sei an dieser Stelle nicht verraten.

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Zugegebenermaßen gibt die Handlung des 65-minütigen Films nicht viel her, aber das muss sie gar nicht. Immerhin erzählt sie ihre Handlung komplett ohne Dialoge, so dass man auch so alles versteht. Wenn „Interstella 5555“ aber eines bietet, dann ist es der sogenannte Style over Substance. In anderen Filmen des Blockbuster-Kinos wäre das ein absolutes Ausschlusskriterium für mich, hier ist es jedoch das was den Film so bezaubernd macht. Ein buntes Bild jagt das nächste, die Charakterdesigns sind wie nicht anders zu erwarten wunderschön und detailliert in Szene gesetzt. Die Raumschiffe und das Weltall spiegeln die Sinnbildlichkeit Leiji Matsumotos Werk wieder und musikalisch wird französischer Gute Laune-House erster Klasse geboten. Besonders witzig ist der Cameo von Thomas Bangalter und Guy Manuel de Homem-Christo, in ihren charakteristischen Roboter-Masken bei der Verleihung der goldenen Schallplatte, bei welcher sie von den Crescent Dolls überflügelt werden.

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Zur Geschichte des Films ist zu sagen, dass nur die ersten 5 Musik-Abschnitte als Musikvideos im Fernsehen zu sehen gewesen sind und während dieser Produktion sich Daft Punk entschlossen, ganze 4 Millionen US-Dollar in den mittlerweile vorliegenden Film zu investieren um seine Realisierung zu ermöglichen. Sämtliche 14 Titel ihres Albums „Discovery“ finden darin Platz. Obwohl in Japan immens erfolgreich blieb der Film im Rest der Welt weitesgehend ein Geheimtipp, was seine Vorstellung auf diesem Blog mehr als rechtfertigt. Neben der traumwandlerischen typischen Inszenierung von Matsumoto und manchen Fingerzeig auf seine anderen Werke und Charaktere, ist der Film inhaltlich jedoch ganz klar als Satire auf das Musikgeschäft im Allgemeinen zu verstehen. Eine Szene von der die Jungs von Daft Punk sicherlich Ahnung haben. Da geht es um Knebelung durch Produzenten und Manager,sowie  den Wunsch nach musikalischer Freiheit und Unabhängigkeit. Das versteht jeder, auch wenn man keine Ahnung vom Business hat.

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Wir haben es aber, und das darf nicht vergessen werden, mit einem reinen Musikfilm ohne jegliche Dialoge zu tun. Das unterscheidet ihn mit anderen Musikfilmen wie „Xanadu“, „Fantasia“, „Yellow Submarine“ oder „The Wall“. Und auch wenn der Film in Punkto audiovisueller Kreativität nicht in der selben Liga wie die genannten Filme spielt, ist er durch seine Einmaligkeit irgendwo kurz darunter oder vielleicht auch darüber einzuordnen, je nachdem wie sehr man die einzelnen Komponenten wertschätzt. Entstanden ist ein spezieller Film, in einer speziellen Kombination, für spezielle Leute mit speziellen medialen Interessen. Das macht es schwer, ihn grundsätzlich jedem ans Herz zu legen. Meine Sensibilitäten hat der Film jedenfalls zu 100% bedienen können. Von einem jedoch bin ich überzeugt: Ein vergleichbares Werk oder Projekt wird es so kein zweites Mal geben. Ich jedoch habe durch den Film wieder richtig Lust bekommen mit Yayoi und Hajime die Welt zu retten, mit Tetsuro und Maetel an Bord des 999 durch das Weltall zu tuckern, an der Seite von Captain Harlock oder Emeraldas Abenteuer im All zu erleben oder mit der Yamato zum Planeten Iscandar zu reisen. Und ich glaube, das mache ich bald in der Tat mal.

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