„Die 20-Minuten-Regel“ – 10 Filme, die ich abgebrochen habe

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Es gibt Filme, bei denen man gar nicht möchte, dass sie aufhören, weil sie so genial sind. Filme wie „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ oder „Oldboy“ oder „The Big Empty“ und unzählige andere, die ich hier vorgestellt habe, gehören für mich dazu. Aber es gibt auch welche, die ich nicht bis zum Ende durchgezogen habe. Seit Jahren schon habe ich die ungeschriebene 20-Minuten-Regel für mich bei Filmen. Eine Option von der ich Gebrauch mache, wenn ein Film es nicht nur schafft mich in 20 Minuten gefangen zu nehmen, sondern vor allem wenn der Film auf magische Weise innerhalb der ersten 20 Minuten schafft, mich komplett zu vergraulen. Und ich kann sagen, einige von Euch werden sich bei einigen Titeln die ich abgebrochen habe garantiert verwundert an den Kopf fassen.

Platz 10: PARTY INVADERS

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Ok, eigentlich gehört der Film nicht hier hinein, denn ich habe ihn gar nicht abgebrochen. Ich kann aber sagen, dass kein Film bisher mich die Fernbedienung so konsequent in der der Hand halten und die Eject-Taste streicheln liess. Es handelt sich um einen Zeitreise-Film bei dem eine Zeitschleife dazu führt, dass eine Party-Gesellschaft sich alle paar Minuten verdoppelt, verdreifacht und vervierfacht. Prinzipiell eine Idee, die ich feiern kann und die mich positiv an den No-Budget-Film „Coherence“ erinnerte…zumindest auf dem Papier. Denn der Film bietet leider weniger von seiner genialen SciFi-Prämisse, als ich mir gewünscht hätte. Dafür umso mehr exzessive Party-Bilder, die mich glauben lassen, der jüngste Tag wäre angebrochen. Rumgehure, Sex, Fäkalien, Wabernde Leiber, tanzende Lesben….Hilfe. Das ist leider ein Szenario in dem ich mich nicht beheimatet fühle und was es um ein Haar geschafft hätte, dass ich den Film ausgeschaltet hätte.

Platz 9: STALKER

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OK, auch das ist jetzt nicht ganz fair. Fakt ist: Ich liebe Andrej Tarkovskis Meisterwerk „Stalker“ und halte ihn für einen der bedeutendsten Science-Fiction-Filme des Ostblocks zur Zeit des eisernen Vorhangs. In ruhigen Bildern wird über 3 Stunden die Geschichte von drei Herren gezeigt, die sich in eine nicht näher definierte „Zone“ begeben und nach einer geheimnisvollen Kammer suchen. Ein sehr ruhiger, bedächtiger Film voller toller Bilder und Metaphern. Wie gerne würde ich meine Begeisterung über diesen Film mit irgendwem teilen wollen. Und wie oft habe ich es schon versucht, jemandem dieses filmische Meisterwerk näher zu bringen. Das Problem ist nur, dass niemand in meinem Umfeld ausser mir selbst die Qualitäten dieses Films zu schätzen weiss. Es gibt keinen Film, den ich öfter versucht habe jemandem schmackhaft zu machen und keinen Film, den ich öfter nach 20 Minuten ausmachen musste als „Stalker“. Daher gehört er schon hier hinein. Obwohl ich ihn super finde!

Platz 8: HIGHLANDER II

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Ich muss sagen, dass es sich hierbei um ein richtiges Kunststück handelt. „Highlander“ gehörte zu einem meiner spät nachgeholten Filmereignisse. Ich sah den Film das erste Mal 2007 und war einfach nur von der Gesamtkomposition verzaubert. Gute Musik, tolle Schwertkämpfe, Dramatik, Liebe, Rückblenden. Der Film hat einfach alles, was ein guter Unterhaltungsfilm braucht. Was war ich begeistert! So begeistert, dass ich am Abend darauf unbedingt die Fortsetzung „Highlander 2“ sehen wollte….oha, hätte ich das mal lieber gelassen. Dieser Film sollte meiner Meinung nach vollkommen vom Erdboden getilgt werden. Alles was der erste Film so zauberhaft richtig machte, setzte der zweite Teil von der ersten Minute an so derbe in den Sand, dass es einfach unfassbar war. Dieser Film schaffte es, dass ich mir die 20-Minuten-Regel ausdachte und aneignete….

Platz 7: V WIE VENDETTA

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Von vielen als eine der wohl besten Comic-Verfilmungen aller Zeiten gefeiert, von den Anonymous-Aktivisten als Manifest verehrt, konnte mich dieses „Meisterwerk“ keinesfalls in seinen Bann ziehen. Obwohl ich ja maskierte mysteriöse Charaktere liebe.Mehrere Faktoren spielten dabei eine Rolle, dass der Film nach 20 Minuten abgeschaltet wurde. Erstens kannte ich vor dem Schauen Guy Fawkes nicht, hatte noch nie von ihm zuvor gehört und konnte nicht wirklich einordnen, was denn nun so heldenhaft an seiner Aktion gewesen war, irgendsoein Gebäude im Alleingang zu besetzen. Ja und? Dann taucht in einer dystopischen Gegenwart ein Männchen auf, dass eine von Guy Fawkes inspirierte Maske trägt und unverständliches Zeug über Freiheit dahinbrabbelt. Dabei verharrt die Kamera viel zu lange auf der starren Maske des Mannes, so dass ich früh merkte, wie mir die Augenlider zufielen. Doch glücklicherweise konnte ich ihn nach 20 Minuten abschalten.

Platz 6: ALIENS – DIE RÜCKKEHR

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Ich verstehe nicht so ganz, was mit dem Film nicht stimmt, aber irgendetwas stimmt mit ihm nicht. Vor paar Jahren versuchte ich mir die Reihe chronologisch zu Gemüte zu führen, begann mit „Prometheus“, den ich immerhin moderat fand, ging über zu „Alien“ den ich atmosphärisch gesehen wirklich grandios empfand….ja und dann wollte ich eigentlich noch die übrigen Teile schauen, aber bereits „Aliens – Die Rückkehr“ machte mir einen Strich durch die Rechnung. Alles wirkte auf mich wie ein billiger Abklatsch des ersten Teils. Atmosphärisch war es direkt ein Schuss in den Ofen und als dann auch noch offenbar Szenen aus dem ersten Teil direkt recycled wurden, war auch hier für mich nach 20 Minuten Schicht im Schacht.

Platz 5: INCEPTION

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Das wird wahrscheinlich jetzt kaum einer verstehen, der den Film gesehen hat. Ich verstehe es selbst am wenigsten. Christopher Nolan ist ein Regisseur dessen Filme ich im Prinzip alle mit Augen und Ohren verschlungen habe. Mit einziger unrühmlicher Ausnahme von „Inception“. Der Film hatte für mein Gefühl direkt seine Prämisse zu deutlich erklärt, als das ich Interesse daran gehabt hätte weiterzuschauen. Irgendwie war mir nach 20 Minuten direkt klar, wie der weitere Verlauf des Films aussehen würde und mit welchem Plotpoint der Film enden würde. Nämlich dem Kreisel! Obwohl die Bilder des Films wirklich opulent waren, hat es nicht ausgereicht, dass ich diesen für mich komplett vorhersehbaren Film hätte zu Ende sehen wollen. Und an Leonardo Di Caprio lag es nebenbei auch. 😀

Platz 4: DIE MILLENIUM-TRILOGIE

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Ja, skandinavische Krimis sind ja angeblich so toll. Sagen alle. Aber ich bin nicht alle. Ich finde sie schlecht. Als absolute Referenz unter den skandinavischen Krimis gilt Stig Larssons „Millenium“-Trilogie. Gut, das wollte ich also mal versucht haben und habe mir den ersten Teil, nun leider länger als 20 Minuten zu Gemüte geführt. Pure Zeitverschwendung. Der Film erzählt in zwei Handlungssträngen die Geschichte eines Ermittlers, der jemanden sucht und aus der Sicht einer Computer-Hackerin, die von ihrem „Betreuer“ regelmäßig sexuell ausgebeutet wird. Der Kriminalfall mit dem Ermittler drohte mich wieder einschlafen zu lassen, die Eskapaden der Hackerin liessen mich im krassen Gegensatz dazu immer wieder aufschrecken. Als sie ihren Peiniger schliesslich mit einem Gürtel fesselt um sich für dessen sexuelle Übergriffe verständlicherweise zu rächen, war für mich der Film gelaufen. Das ist nicht spannend. Das ist widerlicher Müll! MÜLL!

Platz 3: A.I.

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Zugegeben, auch diesen Film habe ich zu Ende geschaut. EIN MAL! Und das war definitiv DAS LETZTE MAL. Ich wollte einen Science Fiction-Film sehen…inspiriert von Osamu Tezuka, Isaac Asimov…basierend auf einem Drehbuch von Stanley Kubrik….umgesetzt von Steven „Holzhammer“ Spielberg. Wann immer ich in diesen Film zappe, wann immer ich das Cover irgendwo sehe….ich schalte ab. Dieser verdammte Film hat mir einen ganzen Abend versaut. Er hat mich in Depressionen verfallen lassen…ich fiel in ein Loch ohne Boden durch diesen Film…ich brauchte eine Therapie, nachdem ich ihn gesehen habe. Wie kann man nur so etwas unendlich Trauriges auf die Leinwand bringen und in den letzten 10 Minuten des Films dem Zuschauer mit dem Hammer dermaßen auf die Tränendrüse prügeln? Danke, Herr Spielberg!

Platz 2: TAXIDERMIA

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Es ist gerade mal 2 Abende her, dass ich diesen Film nach 20 Minuten in die Tonne trat. Eigentlich hatte der Film alles, was mir gefallen könnte….allerdings so widerlich und sinnlos verpackt, dass ich wahrlich kapituliert habe. Ich liebe skurilles Kino; Leser dieses Blogs werden es wissen. Der Film Taxidermia warb schon damit ein ganz besonderes Schmankerl zu sein, angereichert mit vielen Körpersäften. Und damit hält der Film nicht hinterm Berg. Fäkalsprache, Masturbation, Sexszenen an der Grenze zur Pornografie (trotz FSK 16 Freigabe), Verkehr mit toten Schweinen, Fressen, Kotzen, Weiterfressen, Ausstopfen. Der Film hat es wirklich drauf angelegt, mich nach 20 Minuten abschalten zu lassen und bis zum Ende durchzuzappen. Ich habe prinzipiell nichts gegen Derbheiten, aber in diesem Film waren sie meiner Meinung nach völlig zum Selbstzweck eingesetzt ohne wirklich daseinsberechtigt verbaut zu sein. Es ist ein Film der polarisiert. Ich habe durchaus schon Kritiken gelesen, die ihn als Kunst deklarieren. Aber hier muss ich frotzeln: Wer das behauptet, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Platz 1: Die letzten Glühwürmchen

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Ich liebe und habe die Ghibli-Filme in meiner Sammlung. Das Animationsstudio steht für japanische Zeichentrickfilme par excellence. Ohne Ausnahme alle! Aber es gibt einen, den ich vor über 10 Jahren bei seiner Erstausstrahlung auf Arte sehen WOLLTE und nach 20 Minuten abschaltete. Die Rede ist von „Die letzten Glühwürmchen“. Auch wenn viele behaupten, dass dieser Film total gut sei, ist er mir persönlich viel zu harter Tobak. Es geht um zwei Kinder, die sich durch die Wirren des zweiten Weltkriegs schlagen und letztendlich verhungern. Das Schlimmste daran ist, dass man bereits am Anfang den Jungen tot in der Gosse sitzen sieht und wie die beiden als Geister herumlaufen….das ganze natürlich wieder mit mehr als fragwürdiger FSK 6 Freigabe. Dann springt der Film zum Anfang der Ereignisse wo die beiden ihre komplett einbandagierte sterbende Mutter im überfüllten Krankenhaus besuchen. Das kleine Mädchen tanzt anschliessend durchs Meer….. sorry, da ich bereits gezwungenermaßen weiss, was am Ende passieren wird, WILL ich diesen Film nicht sehen. Und habe es bis heute auch noch nie. Dies ist mit Sicherheit einer der hoffnungslosesten und schrecklichsten Filme aller Zeiten. Sympathische, liebe Kinder, die den Hungertod sterben. Mir steigen schon die Tränen in die Augen, wenn ich nur dran denke. NEIN! An diesen Film wage ich mich nicht heran.

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Sooo, das war nun meine Top Flop Ten! Es wird immer Filme geben, die von vielen geliebt aber vom einzelnen verschmäht werden. Diese gehören für mich dazu. Es gibt auch widerum Filme, wo andere behaupten, sie totlangweilig gefunden zu haben… Zum Beispiel „Star Trek – The Motion Picture“ oder „2001 – Odyssee im Weltraum“. Diese fand ich im Gegenzug beispielsweise hervorragend. Über Geschmack lässt sich streiten.

 

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3 Gedanken zu „„Die 20-Minuten-Regel“ – 10 Filme, die ich abgebrochen habe

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