Spielkonzepte, die mir am ***** vorbeigehen – Ein Klagelied

spiel0In den letzten Monaten habe ich mich mal ganz konrekt mit Videospiel-Konzepten auseinanderzusetzen versucht, die mich bisher nicht erreicht haben. Und das obwohl sie in der Spieler-Gemeinde in aller Munde sind und wirklich jeder davon etwas zu spielen scheint. Lest heute, welche Spielkonzepte mir gehörig am ***** vorbeigehen.

Die Souls-Reihe

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Der Inbegriff des Frustes. Ich liebe Action-Adventures, ich liebe Rollenspiele…. die Souls-Reihe vereint beides mit einander. Aber von Liebe kann hier für mich nicht die Rede sein. Ich habe einen Kumpel, der jedes Souls-Spiel bislang HUNDERTE von Stunden gespielt hat und behauptet, dass die Spielreihe nun wirklich bei jedem früher oder später zünden MÜSSE. Tja, ich habe mich ungefähr 10 Stunden lang regelrecht gezwungen, Dark Souls zu spielen. Hat sich der Kampfgeist eingestellt? Im Gegenteil! Ich war kurz davor, vom Glauben abzufallen und nie wieder ein Videospiel anzufassen. Das Spiel besteht aus ständigem Sterben und Besiegt werden. „Es liegt an Dir“ wird oft begründet, wenn man einen Kampf verliert. „Du musst die Patterns lernen“ wird neunmalklug von sich gegeben. Warum müssen Hardcore-Gamer eigentlich immerzu im Spielslang sprechen und können einem Anfänger nicht mal etwas in normal verständlichen Worten erklären? Das ist einmal der Grund, warum ich die Souls-Reihe ablehne… der andere ist, dass mir offensichtlich zwei Grundvoraussetzungen fehlen, um es mit Lustschmerz spielen zu können: Masochismus und Arbeitslosigkeit. Bin ich (zum Glück) beides nicht…

Ego-Shooter

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Ok, für Ego-Shooter muss man weder arbeitslos noch masochistisch sein, wobei ich mir beim zweiten nicht sicher bin. Dank Games with Gold haben sich auf meiner Xbox 360 Festplatte unzählige Ego-Shooter angesammelt. Schiessbuden-Romantik mit Story. Seien es die Bioshocks, die Half-Lifes, die Portals, die Borderlands, die Call of Dutys, die Farcrys….der Ego-Shooter als Genre dominiert den Videospielmarktplatz wie kein zweites Genre. Das spricht für Popularität, das spricht für Massentauglichkeit, das spricht für Zugänglichkeit! Müsste es eigentlich. Nun wollte ich es Ende letzten Jahres auch mal mit nem Ego-Shooter probieren, der für Anfänger leicht zugänglich sein sollte und bekam in einem Forum das erste Farcry genannt. Den leichtesten Schwierigkeitsgrad gewählt, angefangen….versagt auf ganzer Linie. Situation, ich lege mich ins hohe Gras und will mich in eine Basis einschleichen. Es ist Nacht….die Feinde sind gefühlte 5 Kilometer weit weg. Plötzlich fällt der erste Schuss…ich weiss gar nicht genau aus welcher Richtung. Ich drehe und wende mich, schiesse in Richtung weit entfernter roter Punkte…nichts passiert ausser, dass ich kurz darauf besiegt werde. Bestimmt 2 Stunden versuchte ich an dieser Stelle weiterzukommen, versuchte alternative Routen…nichts half. Der Gegner kann alles….und ich kann nichts.spiel3

Gut, vielleicht war Farcry der falsche Tipp….also versuche ich mich an „Duke Nukem Forever“. Warum? Nun, Anno 1996 hatte ich „Duke Nukem 3D“ auf dem PC und habe das (mit Unsterblichkeitscheat) ganz gerne gespielt. Als ich die Stimme des Dukes vernehme, scheint die Welt wieder in Ordnung zu sein und ich werde möglicherweise meinen Frieden mit den Ego-Shootern schließen können. Denkste! Spätestens nach 2 Stunden Spielzeit bin ich in einer Alien-Höhle wo Wände sich öffnen und fliegende rochenartige Aliens rausfliegen…. Meine Munition neigt sich dem Ende zu…. die Gegner stecken zuviel ein….und ich bin tot. Ein ums andere Mal. Auch hier wird es an mir liegen. Ich kapiere einfach das Konzept des Shooters nicht. Rühmliche Ausnahme war „Fallout 3“, was ich dank VATS-System komplett rundenbasiert und taktisch gespielt habe.

Telltale-Episoden-Spiele

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Ey, jetzt mal Butter bei die Fische: Ich liebe Adventures. Von den späten 80ern bis in die späten 90er waren sie für mich ein Jahrzehnt lang Unterhaltungsmedium Nummer 1. Seien die Lucasfilm Games, oder sogar die schweren Biester von Sierra. Ich liebte es, Rätsel zu lösen und das Gefühl, wenn der Groschen endlich fiel, nachdem man eine besonders harte Nuss geknackt hatte. Nun hat das Genre der Grafik-Adventures trotz einzelner sicherlich guter Vertreter vollkommen an Relevanz verloren. Nun macht eine kleine Firma seit ein paar Jahren von sich Reden, indem sie von der Kritik für das große Comeback der Grafik-Adventures gefeiert wird. Starke Franchises wie Bone, The Walking Dead, Minecraft, Monkey Island, Sam and Max, Back to the Future, Jurassic Park…. Telltale reissen sich alles unter den Nagel, demnächst sogar Batman! In über  5 bis 7 Episoden langen Staffeln lässt sich Episode um Episode der jeweiligen Reihe runterladen. Trotz Erfolg muss ich sagen: DAS sind keine Grafik-Adventures mehr! Keine Befehlsleiste, keine Rätsel die über das Niveau von „Schlüssel ins Schlüsselloch“ hinausgehen, treibende Handlung ohne Verschnaufpausen… scheinbar moralische von Telltale ausgewertete Entscheidungen. Irgendwie schleicht sich bei mir der Gedanke ein, dass die Spiele von Telltale ein Alibi für soziologische Statistiken sind. Adventures sind sie jedenfalls NICHT.

Isometrische Spiele (featuring Diablo)

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Erstmal was Grundsätzliches zur isometrischen Optik: Schon Mitte der 80er wurde auf dem C64 mit „The last Ninja“ die grafische Evolution der Isometrie als erster Schritt in Richtung Spieltiefe gefeiert. Und diese Form der Optik hält sich bis heute in Spielen. Seien es Titel wie Atelier Iris, Bastion, Dungeon Siege, Sacred, Suikoden V und Diablo (das kriegt gleich nochmal gesondert sein Fett weg). Was für ein Problem habe ich mit dieser Optik? Wenn ich die Objekte und die Spielfigur ausblende, was bleibt dann übrig? Eine zweideutige Spielfläche, bei der man nicht weiss, ob man jetzt auf einen Boden oder an eine Decke starrt. Und ich weiss nicht, was es ist (vielleicht ein Denkfehler) hin und wieder verschwimmt trotz Spielfigur und Objekten meine Wahrnehmung und ich habe das Gefühl eigentlich eine Fliege zu sehen, die an der Decke entlangkrabbelt, dass die Füße der Figur eigentlich die Hände seien…. Ebenso ist die Steuerung der Spielfiguren von Spiel zu Spiel verschieden. Es ist nicht gesagt, dass die Richtungstasten für oben, unten, links und rechts in jedem dieser Spiele die selbe Gehrichtung angeben. Von allen Optiken, die ein Videospiel so aufweisen kann, ist die Isometrie für mich die verwirrendste. Jetzt aber zu Diablo!

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Der sicherlich populärste Vertreter dieser visuellen Darstellungsform begeistert Spieler weltweit. Demnach müsste sich dahinter doch ein Spielkonzept befinden, dass mich als Rollenspieler packen könnte? Leider nein. Wobei ich es jetzt wirklich auch intensiv versucht habe. Ich hatte meine Berührungsängste, das gebe ich zu. In einem Forum fragte ich, wie zugänglich Diablo 3 für Anfänger sei und wie lange man es spielt. Ich bekam Loblieder mitgeteilt, was für ein unglaublich fantastisches Spiel es sei, wieviele hunderte von Stunden Spieler darin versenkt haben und dass es dermaßen Suchterzeugend sei, wie nichts anderes. Begründet wird dies mit der Tatsache, dass man angeblich immer bessere Rüstungs-Sets zusammen sammeln wollen wird. Würde ich auch gerne wollen, nur ist das Prinzip dahinter undurchschaubar wie ein böhmisches Dorf. Und das Schlimmste dabei: Wenn ich konkrete Fragen zum Spielprinzip stelle, bekomme ich kryptische Antworten, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Auch eine Google-Suche nach Stichworten wie „Diablo 3 für Anfänger“ führt mich mich auf Seiten, die angeblich GANZ EINFACH erklären wollen, wie man sich die richtigen Skilss und das richtige Rüstungsset zusammenstellt. Dabei wird das Elementarste an der Sache allerdings nicht erklärt. Auf folgendem Screenshot wird besonders deutlich, was ich meine:

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So, hier haste das Inventar. Hier sieht man also mehrere Kopfbedeckungen, die man dem Helden auf den Kopf setzen kann, oder eben nicht. Angelegt ist eine Höllenmaske mit dem Wert 354. Was dieser Wert besagt, kann mir trotz Nachfrage keiner plausibel erklären. Dann sehen wir unter den nichtangelegten Gegenständen den „Härtemythos“ der einen Wert von 80 hat, aber im Bereich Herz und Schwert jeweils zwei gründe Pfeile aufweist, die nach oben zeigen. Wie kann das sein? Weiss ich nicht. Und kann mir auch nicht plausibel erklärt werden. Ich würde es gerne verstehen und mögen, aber mein persönliches Rüstungsset ist nur von Willkür und Zufall geprägt. Wahrscheinlich werde ich in der Gewissheit sterben müssen, Diablo nicht verstanden zu haben. Es ist wohlgemerkt nicht unspielbar….aber es bleibt ein Buch mit Sieben Siegeln.

Stealth-Games

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Ja, an sich ist die Schleicherei gar nicht mal so unlustig. Ich bin ein großer Freund der Assassins Creed-Spiele. Warum? Weil für 90% aller Fälle wenn ich beim Anschleichen erwischt werde kämpferische Skills ausreichen, um aus der Situation zu entkommen. Bei anderen Vertretern dieser Art ist dem leider nicht so. Populäres Beispiel sind die Metal-Gear-Spiele. Erst vor 3 Tagen habe ich mit dem dritten Teil das erste Spiel der Reihe durchgeschafft, Premiere also. Was mich begeisterte, war die unglaublich dicht und spannend erzählte Handlung. Wäre die nicht gewesen, muss ich sagen, hätte mich das Spielprinzip nicht lange bei der Stange halten können. Denn anders als bei Assassins Creed verläuft hier eine Entdeckung durch den Feind nicht zu 90% in lenkbaren Bahnen sondern hat eher das unweigerliche Ende zur Folge. Dennoch würde ich sagen, dass Assassins Creed und Metal Gear noch die für mich spielbarsten Vertreter ihrer Art sind. Richtig unspielbar finde ich Titel wie „Thief“ oder „Dishonored“. Warum? Siehe weiter oben@Ego-Shooter.de.

Nun aber das am Wenigstenfür mich zugängliche megapopuläre Spiel-Genre:

Crafting-Games

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Wie das erste Artikel-Bild schon erahnen liess, bekommt nun auch dieses Spiel-Element sein Fett weg. Seitdem Minecraft es etabliert hat, werden zunehmend mehr Spiele mit einer Crafting-Option versehen. Terraria, Dont Starve, Starbound, The Escapists, Guncraft und viele mehr fordern den Spieler durch das Sammeln von Rohstoffen und das Herstellen von Gegenständen. Oftmals sind Wikis zu jedem dieser Spiele im Netz zu finden, die die unzähligen Kombinationen verdeutlichen, welche Gegenstände wodurch hergestellt werden können. Soweit so gut, haben viele dieser Crafting-Spiele nicht den Anspruch eine Geschichte zu erzählen und kein klar festgelegtes Ziel. Freunde dieses Spielelements behaupten steif und fest „Das ist ja das Geile: Du kannst alles machen was Du willst und legst selbst Dein Ziel fest. Das Spiel ist halt was für Kreative“. Ok, also bin ich wahrscheinlich genauso unkreativ, wie der Souls-Reihe-Spieler masochistisch und arbeitslos ist. Ganz ehrlich: Ich finde schon, dass ich kreativ bin. Aber ich habe irgendwie keine Lust dazu, mir in einem Spiel das Ziel selbst wählen zu müssen und bin überfordert mit der Tatsache „Alles“ bauen zu können, was ich will. Denn ich will nichts bauen müssen! ^^“ Ich habe das schon einmal bei einem Workshop zum Thema „Graphic Novels“ festgestellt, wo der Referendar die Teilnehmer ermutigen wollte, selbst eine kurze Comic-Geschichte zu zeichnen. Ich liebe Comics. Aber bei dem Workshop wurde mir bewusst: Ich will lieber konsumieren, als selbst herzustellen. Und diese Erkenntnis lässt sich auch auf das Crafting-Spielelement anwenden.

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Was will er denn also?

Erst einmal wollte ich meinem Ärger Luft machen. Denn spieltechnisch habe ich mich im letzten Jahr wirklich oft geärgert. Vor allem kann ich nicht genau festmachen, was mich bei all dem am meisten stört? Bin ich es selbst mit meinem Unvermögen? Ist es die Masse, die Spass an etwas hat, das ich nicht nachvollziehen kann? Diese Fragen müssen heute im Raum stehen bleiben, ich weiss die Antworten nicht. Was ich aber weiss ist, dass ich Spielergemeinden als solche beneide. Ich war schon immer ein Sonderling im Bereich des Mediengeschmacks und selbst heute mit 35 Jahren hat sich nichts daran verändert. Ich wäre gerne Teil eines Massengeschmacks (nicht einmal Fußball finde ich gut) und würde gerne mal „dazugehören“ und in etwas mit anderen „übereinstimmen“. Videospiele sind eine nette Form der Freizeitgestaltung. Gegen ein Stündchen am Feierabend ist nichts einzuwenden. Allerdings möchte ich nicht frustriert werden und nachvollziehen, WAS ich in diesem Stündchen konkret tue, wenn ich spiele. In diesem Sinne hoffe ich auf bereicherndere und entspannendere Spielerfahrungen im Jahr 2016.

 

 

 

Ein Gedanke zu „Spielkonzepte, die mir am ***** vorbeigehen – Ein Klagelied

  1. Bei mir sind es….

    Die Platformer. Mochte ich nie.
    Die Sportsimulationen. Igitt.
    Die Souls Spiele – gleiche Begruendung wie bei dir.
    Siedler, Anno, Civilisation bzw alles was auch nur ansatzweise in diese Richtung geht. Zu langatmig!
    Rhythmus, Sing und Tanzspiele. Wenn ich nicht gerade genau die Stimmung dazu habe. Selten.

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