Mal was anderes: Die Prince-Trilogie

Er ist sicherlich einer der größten lebenden Künstler auf diesem Planeten. Ein absolutes Unikat. Hätte es Michael Jackson nicht gegeben, wäre er unbestritten der King of Pop geworden. Die Rede ist von Prince Rogers Nelson, oder kurz Prince, auch bekannt als Prince & The Revolution, The Artist formally known as Prince (TafkaP) oder kurz und unaussprechlich O(+>. Einmal Hannover <-> Graz hin und zurück habe ich während der Fahrt in diesem Sommerurlaub damit zugebracht, drei Best-Of-Alben des Künstlers rauf und runter zu hören. Es wurde einfach nicht langweilig. Und eines war nach meiner Rückkehr in die Heimat klar: Ich muss jetzt unbedingt die drei Prince-Filme schauen! Au weia oder The Happening of the Year? Ihr erfahrt es sogleich.

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Ey, jetzt mal ganz ohne Scheiss und Umschweife: Man kann von Prince als Mensch und seinem Image halten, was man will, aber man muss ihm zugestehen, dass er wirklich JEDES musikalische Genre beherrscht, wie kein Zweiter. Seien es Balladen, sei es Rap, sei es Pop, sei es Rock, sei es Soul, sei es R´n´B oder sei es der von mir über alles verehrte Funk. Prince kann einfach alles! Prince kann Musik! Prince lebt Musik! Prince ist Musik! Ohne Diskussion und ohne Wenn und aber! Aber beherrscht Prince auch den Unterhaltungswert von Filmen? Immerhin sind sein zweiter und sein dritter Film nicht nur von ihm in der Hauptrolle besetzt, NEIN, dort hatte er sich sogar selbstbewusst auf den Regiestuhl gesetzt. Doch fangen wir zu Anfang an. Bei „Purple Rain“ von 1984.

prince2Lila ist ne exzentrische Farbe. Es ist die Farbe von Prince. Seien es das ikonische Motorrad oder seine Klamotten. Prince trägt violett und es steht ihm wie keinem zweiten. In dem charmanten Musik-Film von 1984 spielt er Prince-piell sich selbst im Gewand des Musikers namens Kid, der auf den großen Durchbruch hofft. Schwer macht es ihm die konkurrierende Band „The Time“, die ständigen Streitereien seiner Eltern, seine zickigen Band-Mitglieder und er sich selbst, der er sich immerzu selbst im Wege steht ohne es selbst zu merken. Der Film zeigt all diese Widrigkeiten, sowie das ständige Buhlen von Prince, ich meine Kid, um die Sängerin Appolonia, auf die ebenfalls Morris Day, der Leadsänger von „The Time“ ein Auge geworfen hat. Dreh- und Angelpunkt des Films ist der Musik-Club „First Avenue“, in dem Prince einen Gig und einen Hit nach dem anderen raushaut. Große Hits wie der titelgebende „Purple Rain“, „When the Doves cry“, „Sex Shooter“ oder „I would die for you“ werden hier rausgehauen und durch Princes (verdammt, was ist nur los mit mir), KIDs Performance originell in Szene gesetzt. Zugegeben, die Geschichte des Films, bei dem Albert Magnioli Regie führte gewinnt keinen Blumentopf.

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Und dennoch, HEY, hat der Film einen Oscar bekommen für den besten Soundtrack und nen Golden Globe. Der Film unterhält von der ersten bis zur letzten Minute königlich und der Sound geht selbst 31 Jahre später richtig gut ins Ohr. Der Film wird aber vor allem von Princes allgegenwärtiger Präsenz getragen. Der Mann spielt absolut megaexzentrisch, aber so ist er wohl einfach. Bei der Erstsichtung des Meisters in diesem Film muss man natürlich erstmal ein wenig wiehern, was an seinem Outfit, der Frisur, den Brillen, seinem Gehabe…einfach an ALLEM liegt, was Prince ausmacht. Er ist kein guter Schauspieler, er schauspielert nicht, er ist einfach nur er selbst und das nimmt man ihm voll und ganz ab. Kurzum ich war begeistert. Von der Musik, von der Person…Eines stand ab diesem Zeitpunkt fest: Die beiden anderen Filme MUSSTE ich einfach sehen….und einen Abend später legte ich die DVD von „Under the Cherry Moon“ von 1986 in den Player….

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Ok, im Gegensatz zum halbdokumentarischen Vorgängerfilm bekam ich hier einen tatsächlich schauspielenden Prince geboten. Er spielt den Barpianisten Christopher Tracy, der mit seinem Freund Tricky irgendwo in Frankreich sein Leben als Gigolo und Heiratsschwindler verdingt. Auch Mary die Tochter aus reichem Hause soll Christopher zum Opfer fallen. Auf einem Ball, wo Christopher in einem entzückenden rückenfreien Kleid erscheint, verliebt dieser sich doch tatsächlich in das Früchtchen. Und als wäre das nicht genug, verfällt auch Tricky kurz darauf der Femmé Fatale blind. Sehr zum Ärgernis von Marys Vater, der die Situation und die beiden Männer durchschaut und eine Gruppe von Schlägern auf die beiden ansetzt…

Alles was „Purple Rain“ war, ist „Under the Cherry Moon“ nicht mehr. Man vermisst schmerzlich die großartigen Interpretationen der Prince-Songs.

prince5Der komplett in schwarz-weiss inszenierte Film bietet nichts von dem, was man von einem Prince erwarten würde, stattdessen durch dessen Regiearbeit einen tiefen Einblick in seine Seele und sein Weltbild. Lassen wir dahingestellt, dass Prince eigentlich zu den Zeugen Jehovas gehört, offenbart er hier auf eine fast schon erwartete äusserst kuriose und skurille Art und Weise, wie er die Welt sieht und was er glaubt, auf was für eine Art von Mann Frauen universell stehen würden. Würde man Princes Biografie nicht kennen und nicht wissen, dass er bisher ausschliesslich Beziehungen mit Frauen unterhielt, würde man anhand dieses Filmes glatt glauben können, er würde zum anderen Ufer gehören. Sei es Christophers Wohngemeinschaft mit Tricky, bei der einer dem anderen beim Baden zuschaut bis hin zu einem rückenfreien Auftritt auf Marys Party, schreit alles an dem Gehabe von Prince nach der manifestierten Version von Homosexualität. Allerdings definiert Prince offensichtlich homosexuelles Auftreten als attraktiv für Frauen und er entwirft damit einen Prototyp der Metrosexualität, für die es damals noch kein Wort gegeben hat.

prince6Einfach alles an „Under the Cherry Moon“ ist verheerend….und genau darin liegt der Reiz des Films. Prince schauspielert mehr schlecht als recht, was aber durch die kuriose Inszenierung seiner selbst dem Film einen gewissen Reiz und Charme verleiht. Obwohl „Purple Rain“ der Prince-Film für jedermann ist, ist „Under the Cherry Moon“ sicherlich der mit dem höchsten Unterhaltungswert. In allem was Prince in diesem Film tut, nimmt er Modedesigner Harald Glööckler in dessen heterosexueller Version vorweg. Prince selbst war sich offensichtlich dessen gewahr, dass „Under the Cherry Moon“ kein zweiter „Purple Rain“ war und alles was er wollte, war Erfolg. Also setzte er sich im Jahr 1990 wieder auf den Regiestuhl um die Fortsetzung von „Purple Rain“ mit ähnlichem Konzept wie der Erstling zu inszenieren. Ob das Erfolgsrezept in „Grafitti Bridge“ aufging?

prince8Kid kehrt zurück. Er glaubt besser denn je zu sein, allerdings ist er für den Zuschauer nur noch ein Schatten seiner selbst. Einer Conchita Wurst gleichend, mit langem Haar, femininen Zügen und Vollbart präsentiert sich Prince in der Fortsetzung der Geschichte um Kid. Mit Morris Day als Mitbesitzer ist er nun der Herr über den „First Avenue“-Schuppen wobei die Rivalität der Beiden nach wie vor anhält. Letztendlich läuft der Film auf ein musikalisches Battle der beiden um die Vorherrschaft des Club-Besitzes hinaus….

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Der große Knackpunkt des dritten Films ist die Tatsache, dass bis auf den Song „Thieves“ nichts Prince-artiges in dem Film zu sehen und zu hören ist. Betörte der erste Film durch seinen grandiosen Soundtrack und wurde er dadurch gar bis zum Academy Award getragen, hatte Prince offensichtlich nicht begriffen, dass er genau das hätte abliefern müssen, was in „Purple Rain“ seinen perfekten Anfang genommen hat: DEm Zuschauer und Zuhörer ein abendfüllendes Musikvideo und die Vielfalt seines Könnens anzubieten. Stattdessen wird man mit peinlichen Rap-Einlagen gelangweilt…und dazu gebracht, die Hände zu falten und dazu gebracht, darum zu beten, dass dieser Mann nie wieder einen Film produziert…. keine Angst….er hat es nicht.

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Trotz des zweiten und des dritten filmischen Disasters von Prince, verbleibt für mich ein großartiger „Purple Rain“. Prince hat mit seinen drei Ausflügen in die Filmwelt bewiesen, dass dieses Medium ihn nicht definiert. Auditiv ist er einer der größten Künstler, der sich mit Recht „The Artist“ nennen darf. Die musikalische Vielfalt seines Schaffens ist und bleibt ungeschlagen. Er ist Michael Jackson aus einer Paralelldimension. Jedes Album von ihn ist hörens- und kaufenswert….was die Filme jedoch betrifft…. nun ja….“Purple Rain“ uneingeschränkt für jeden….“Under the Cherry Moon“ für alle, die wissen wollen wie Prince die Welt sieht….. „Grafitti Bridge“ für niemanden! Mit diesem Fazit und einem „You sexy MotherfuXXer“ verabschiede ich mich heute von Euch!

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6 Gedanken zu „Mal was anderes: Die Prince-Trilogie

  1. Moin Kollege!

    Ich hab den Tag mal zum Anlass genommen, hier wieder ein bisschen zu stöbern!
    Sehr interessant, wie Du die Prince-Filme schilderst. Ich kannte ihn nur als recht vielschichtigen Musiker…ich denke (ohne jetzt den Künstler als Person näher zu kennen), dass bei ihm auch ein bisschen der Anspruch eines Universalgenies die Entscheidung beeinflusst hat, in die Filmwelt einzutauchen. In der Vergangenheit haben ja viele der klassischen „Musiker-Vorbilder“ wie Elvis oder die Beatles diesen Schritt ganz gut geschafft. Ich denke nach deinem Artikel aber nicht, dass ich mir die Prince-Trilogie antun werde😀 .

    In diesem Sinne wünsch ich Dir noch nen schönen Geburtstag, alles Gute und hoffe, dass wir uns mal wieder sehen,
    Dominik

    • Danke, mein Junge. Wobei, wenn Du die Elvis Filme erwähnst….ich glaube, dass die Prince Filme schon weit erträglicher sind. Bei den Beatles würde ich bezogen auf Yellow Submarine zustimmen, dass dieser qualitativ hochwertiger ist, bezogen auf HELP auch keinesfalls. Der wohl visuell wie musikalisch interessanteste Ausflug eines Musikers in die Filmwelt bleibt wohl Pink Floyds „The Wall“.

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