Ist es ein Vogel? Ist es eine Kanonenkugel? Ist es ein Flugzeug? Nein! Es ist „Robin of Sherwood“!

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Superhelden sind mein Ding, wie der geneigte Leser weiss! Heute kommen wir zu einem der frühsten Superhelden unserer Zeitrechnung, einem Mann von dem sich Batman und Green Arrow sicherlich die ein oder andere Scheibe abgeschnitten haben. Die Rede ist natürlich von Robin Hood, in der nicht ganz gleichnamigen Serie „Robin of Sherwood“ von 1983 bis 1985 produziert für den britischen Sender HTV. Und ab dafür!

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Die Serie beginnt im Jahr 1180 mit der Zerstörung des Dorfs Loxley. Der Sheriff von Nottingham, ein gewisser Robert Rainault, Angehöriger des normannischen Adels fällt mit seinen Männern in das Dorf ein und lässt Ailric of Loxley, einen ansässigen Rebellen töten. Und das alles für ein keltisches Kleinod: Den silbernen Pfeil! Ailrics Sohn, Robin of Loxley wird von einem Müller aufgenommen und wächst mit dessen Sohn Much (sprich „Matsch“) gemeinsam auf. Als die beiden Stiefbrüder jedoch eines Tages beim Wildern von Guy of Gisburne erwischt werden, landen sie im Kerker von (drei Mal darf geraten werden) Robert Rainault, dem immer noch amtierenden Sheriff von Nottingham. Doch die Gefangenschaft währt nur kurz, denn Robin und Much verbünden sich mit ihrem Mitgefangenen William Scathlock (genannt Will Scarlett) und verkrümeln sich aus dem Verlies!

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Doch die Gefahr naht in Gestalt von Simon de Belleme, einem normannischen Satanisten, der überaus an dem silbernen Pfeil interessiert ist, der einst aus Loxley entwendet wurde. De Belleme schickt einen gewissen Hühnen namens John Little (unter seinem Bann stehend) auf die Fersen von Robin of Loxley. Doch nach eingängigem Stockkampf bricht Robin das Siegel auf John Littles Brust und nimmt diesen in seine langsam wachsende Bande auf. Und diese Bande wird von nun an unter die wachsamen Fittiche von Herne, dem Waldgott genommen. Dieser betraut Robin mit der Mission sein Schicksal als „Der Behütete“ wahrzunehmen und den Normannen Paroli zu bieten. Und eine nicht unwesentliche Rolle soll auch jenem magischen Pfeil zuteil kommen. Während der Auseinandersetzung mit Simon de Belleme vergrößert sich die Gruppe zusehends um die junge Nonnennovizin Marion of Leaford, den Kaplan von Sherwood Bruder Tuck sowie letztendlich dem (anfangs) fremdsprachigen Assassinen Nazir, der sich der Gruppe stumm anschliesst.

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Denn auch nach dem Kampf mit de Belleme winken viele Abenteuer mit falschen Hexen, Unholden, wiederauferstandenen Toten, den Hunden Luzifers und vor allem immer wieder mit dem gnadenlosen Sheriff von Nottingham und seiner rechten Hand und Seneschall Guy of Gisburne. Doch auch trotz oberflächlicher und rauhbeiniger Reibereien untereinander und der Achillesferse Robins durch die Eheschliessung mit Marion können alle Wagnisse überstanden werden. Rbin erfüllt seine Aufgabe als der „Behütete“ zu Hernes Zufriedenheit, nimmt ein ums andere von den Reichen um es den Armen zu geben….. Alles könnte so schön sein; Robin Hoods Truppe behält immer die Oberhand und schlägt dem Bösen ein ums andere Mal ein Schnippchen bis…ja bis….SPOILER! ……….bis………………

…………….Robin………..of………. Loxley……………..

……im Pfeilhagel………….

…………….stirbt…………………………..

SPOILER ENDE!

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Doch kann das wirklich wahr sein? Denn immerhin taucht kurz darauf ein grüngekleideter Bogenschütze mit Kapuze auf um seine Mitstreiter aus einer lebensbedrohlichen Lage zu befreien und vor allem: sein Gesicht nicht zu zeigen. Doch ist dieser Mann wirklich Robin von Loxley?Mit dieser ungewissen Frage entliess der Sender HTV im Jahre 1985 die Zuschauer für eine Staffelpause und den Wechsel des Hauptdarstellers. Michael Praed hatte ein Angebot am Broadway bekommen und seiner Identität als Robin Hood den Rücken gekehrt, worauf Jason Connery, der Sohn von James Bond 007 in die Bresche sprang.

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Sicherlich ein gewagter Twist, doch der britische Zuschauer war ja so etwas schon von Doctor Who gewohnt. Denn anders als einfach nur wortlos den Hauptdarsteller auszutauschen wurde der Wechsel vom schwarzhaarigen schneidigen Michael Praed zum „Milchgesicht“ Jason Connery genial in die Handlung verwoben und gehört inhaltlich sicherlich zum absoluten Höhepunkt der gesamten Serie. Jason Connery steigt nicht einfach wortlos in die Fußstapfen oder gar das Kostüm seines Vorgängers, nein, er hat eine Entwicklung durchzumachen um dort anzuknüpfen, wo sein Vorgänger ausgestiegen ist.  Schwachpunkt ist allerdings, dass nach diesem starken Übergang der beiden Hauptdarsteller leider veräumt wurde, dem zweiten Robin Hood-Darsteller mehr Eigenständigkeit zu verleihen.

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Jetzt aber zu den harten Fakten. Natürlich ist „Robin of Sherwood“ mit ihren drei Staffeln eine Serie, der ganz klar ihr Ursprung in den 80ern anzusehen ist. Das fängt bei den Frisuren an und hört bei den Frisuren auf. Ja, die Frisuren sind sicherlich der Aspekt, der die Serie ein wenig ihrer Zeitlosigkeit beraubt. Verheerend sind schon allein die Nackenflattern und Brustbehaarungen beider Robin Hood-Darsteller, aber was der Darsteller von Little John auf dem Schädel trägt, tendiert teilweise zwischen Elijah-Wood-Gedächtnisfrisur und Wischmob. Das schlägt dem Fass den Boden aus! Trotz ihrer Frisuren sind jedoch alle Darsteller sehr ambitioniert in ihren Rollen zu sehen. Sogar Herne der Jäger, über dessen Kostüm man anfangs etwas schmunzeln muss, weiss bei jedem weiteren Auftauchen den Zuschauer mit Erfurcht zu erfüllen. Absolut großartig besetzt und gespielt sind die Darsteller von Richard de Rainault und Guy of Gisburne, die zunehmend zu meinen Lieblingen in der Serie mutierten, und das obwohl sie Robin und seinen Homies nichts Gutes wollen.

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Die Stärken der Serie sind allerdings in der Atmosphäre und Inszenierung zu finden. Angefangen mit dem wunderbar esoterischen Soundtrack der Folk-Gruppe „Clannad“ bis hin zu den faszinierenden Kostümen, Ausleuchtungen, Schauplätzen und Bauten, hat die Serie alles, was ein märchenhaftes Mittelalter glaubhaft auszeichnet. Thematisiert werden immer wieder auch Probleme der Epoche, wie den Umgang mit Hexenverfolgung und Aussätzigen, historischen Begegnungen mit Richard Löwenherz oder Adam Bell, immer verknüpft mit der schützenden Hand der heidnischen Übernatürlichkeit. Denn genau wie die Geschichte und der Ursprung rund um Robin Hood in den Bereich der Sagen und Legenden gehen, hat sich Serien-Autor Richard Carpenter sehr darum bemüht, kein exaktes Bild des Mittelalters zu vermitteln sondern immer genug Raum für das Fantastische und Übernatürliche zu lassen. Das tut der Serie verdammt gut und lässt sie visuell auf dem Niveau eines „Game of Thrones“ navigieren und macht sie für ihre Zeit ziemlich einzigartig.

robin5Da diese wunderbare Produktion die Existenz des Übernatürlichen hervorhebt und Robin Hood in Einklang mit ihr zeigt, erhebt sie ihn vom Status des einfachen Volkshelden auf das Pedestal des Superhelden. Die Serie ist nicht mehr für jedermann geeignet. Ich habe sie aufgrund der Erinnerung an meine Kindheit nochmal komplett nachgeholt, aber ich kann verstehen, wenn sie heute nicht mehr jeden hinter dem Ofen hervorlocken wird. Doch Freunde der Fantasy werden damit ihre helle Freude haben, wie auch Anhänger von klassischen Rollenspielen. Denn die Stereotypen einer Heldentruppe sind auch alle hier vorhanden und lösen gerade bei Lesern, Brett- und Videospielern sicherlich so einige Aha-Momente aus. Mir hat es jedenfalls gefallen und die Gründe dafür habt Ihr hiermit erfahren.

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