Deadly Premonition – „Twin Peaks“ im Paralelluniversum!

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Ich hab es ja schon in meinem letzten Bericht erwähnt, das Medium, das meiner Meinung nach der Kult-Serie „Twin Peaks“ am nächsten kommt, ist das Videospiel „Deadly Premonition“. Jetzt endlich bin ich nach 17 genussvollen Stunden durch und möchte Euch etwas über dieses einzigartige Spiel erzählen…

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Kurz zur Entstehungsgeschichte des Spiels. „Deadly Premonition“ hatte einen recht langen Weg und lange war es nicht mal klar, ob das Spiel überhaupt noch seinen Weg in die Regale der Kaufhäuser finden sollte. Bereits 2004 begann die Produktion für das Spiel „Rainy Woods“ unter der Leitung von Hidetaka Suehiro, geplant für die Playstation 2, vier Mal in der Produktion gecanceled. In einem frühen Trailer zum Spiel sieht man, dass die Charaktermodelle noch vollkommen andes gestaltet waren und eher am großen TV-Vorbild orientiert waren. Vielleicht gab es Probleme mit den Rechten…so genau weiss man es nicht, jedenfalls wurde die Produktion 2007 wieder aufgenommen und unter dem Titel „Deadly Premonition“ für die Xbox 360 2010 veröffentlicht und 2013 für den PC und die PS3 als erweiterter Directors Cut herausgebracht.

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Jetzt zur Handlung: Anna Graham ist ermordet aufgefunden worden. Nicht in Plastikplane gewickelt, aber ausgeweidet an einem Baum aufgehängt, mit roten Samen im Mund, die Zunge vom Mörder herausgebissen. Da es sich um das erneute Zuschlagen eines Serienkillers zu handeln scheint, steht kurzerhand das FBI in der kleinen verschlafenen Stadt Greenvale auf der Matte, vertreten durch Agent Francis „York“ Morgan und seinen imaginären Freund im Ohr namens „Zach“. Doch bereits bei der Einfahrt in den Ort kommt York mit seinem Auto vom Weg ab, nachdem eine mysteriöse Gestalt im roten Regenmantel seinen Weg gekreuzt hat. Sich durch den Wald durchschlagend und unheimliche rückwärts gehende Menschen umschiessend, schafft er es schliesslich zur Greenvale-Brücke, wo er kurzerhand die örtlichen Gesetzeshüter Sheriff George Woodman und Emily Wyatt kennenlernt.

de3Bereits während der Ermittlungen stellt sich der Fall „Anna Graham“ komplizierter heraus, als er zu sein scheinte, denn offenbar hatten eine Menge der recht exzentrischen Bewohner Greenvales eine nicht ganz saubere Weste zu haben scheinen und sehr geheimnisvoll in Erscheinung treten. Allen voran der reichste Mann der Stadt namens Harry Stewart, der im Rollstuhl sitzt, eine totenkopfähnliche Gasmaske trägt und seinen Sekretär Michael für ihn in mysteriösen Limericks reden lässt. Doch der soll York an dieser Stelle vorerst nicht weiter beschäftigen, obwohl er mehr zu wissen scheint, als alle anderen. Denn der sogenannte „Regenmantel“-Mörder schlägt ein ums andere Mal in Greenvale zu, wodurch man als Spieler immer auf dessen Fersen ist und sein düsteres Geheimnis ergründet…

de4„Deadly Premonition“ ist ein Spiel, dass die Fachzeitschriften und Spieler polarisierte, wie kein anderes. Es hält sogar einen Rekord im Guinessbuch für das gleichzeitig bestbewerte Spiele, sowie als das schlechtbewertetste Spiel aller Zeiten. Und ich kanns auch total nachvollziehen. Die Positiven Aspekte des Spiels sind die superspannend erzählte Story, die mit vielen Überraschungen aufwartet, die starken Charaktere und für den Freund von Twin Peaks die unglaublich vielen Paralellen. Praktisch in jeder der handlungstreibenden Sequenzen und vielen kleinen Details im Spiel erkennt man Anspielungen an das große Vorbild. Dabei handelt es sich um keine bloße Kopie der Handlung sondern eine gekonnte Hommage, die den Erzählstil imitiert und etwas vollkommen Neues erschafft.

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Und wie auch aus meinem letzten Bericht ersichtlich gibt es nicht viele Medien, denen das so gekonnt gelingt, ja man kann sie an 2 bis 3 Händen abzählen. Und genau das macht „Deadly Premonition“ zu einer großartigen Erfahrung. Auf der anderen Seite gibt es aber auch jene Aspekte, die dem Spiel eben die schlechten Wertungen einbrachten. Hauptaspekt ist sicherlich auch, ob man mit dem Spiel eine emotionale Verbindung aufgrund der Kenntnis von Twin Peaks eingehen kann oder nicht. Wer die Serie nicht kennt, geschweige denn mag. wird wahrscheinlich auch hier keinen Zugang zur Handlung finden. Durch die unglaublich lange Produktionszeit sieht die Grafik des Spiels eben auch alles andere als glattpoliert aus, im Gegenteil hat man gar das Gefühl, ein Spiel aus der Ära der PS2 oder des Dreamcast auf dem Bildschirm zu haben. High Definition ist das nicht! Die Texturen sind matschig, an allen Ecken und Kanten flimmert es. Und trotz leistunsstarker Konsole oder PC ruckelt das Spiel stellenweise. Einmal sogar begegnete mir ein drolliger Glitch, als ein Autofahrer während der Fahrt an der Seite ausserhalb seines fahrenden Autos sitzend erschien.😀😀😀

de6Auch die Steuerung ist alles andere als optimal, im „Directors Cut“ wohl allerdings nicht so fatal, wie auf der Xbox. Jedes Auto im Spiel zum Beispiel steuert sich wie ein Panzer, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 kmh, mit nervig johlender Sirene bei 90 kmh…. *schnarch*. Zudem ist Greenvale als Ort sehr weitläufig und eine Autofahrt kann manchmal ihre realistischen 10 Minuten dauern, bei denen man sich schon Mühe geben muss, wie bei GTA einen Unfall zu bauen. Aber auch das trägt alles irgendwie zur Gesamtstimmung bei. Der für mich persönlich größte Fehler des Spiels liegt allerdings in seinen Survival-Horror-Elementen. Sobald Agent York ein Gebäude inspiziert, befindet er sich in einer dunklen Zwischenwelt, in der man rückwärts schlurfende, immer die selben Laute ausstoßende Gegner umschiessen muss. An Energie und Munition mangelt es hier im Gegensatz zu anderen Genre-Vertretern glücklicherweise nicht!

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Aber zwischen all diesen Survival-Horror-Sequenzen wird die Handlung vorangetrieben, die mich so dermaßen in ihren Bann zog, dass ich das verschmerzen konnte. Letztlich bemängeln möchte ich aber (und das wird den Horror-Fan vielleicht eher freuen), dass das Spiel zu vollkommenem Recht freigegeben wurde ab 18 Jahren. Nicht nur, dass die Tatorte und die Hinrichtung der Opfer unglaublich brutal von Statten geht, ist die Handlung stellenweise weit belastender als Twin Peaks. „Hart“ ist schon kein Ausdruck mehr….es ist wirklich „Brutal“ und das ist für mich kein Qualitätsmerkmal, weil ich finde, dass eine von grundauf spannende Geschichte nicht mit zu viel Gewalt angereichert werden braucht.

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Besonders hervorheben möchte ich noch die leichten Elemente einer Lebenssimulation. So muss Agent Morgan regelmäßig gebettet werden um seine Energiereserven zu erholen, ja er muss auch regelmäßig essen und Kaffee konsumieren, seine Kleidung wechseln, diese waschen und sich der Seriösität halber rasieren. Alles in Allem muss ich sagen, dass ich kein Spiel kenne, das so viele Schwächen hat, aber alle Schwächen durch seine Stärken vollkommen aufwiegt. Und es handelt sich nicht ohne Grund um die Geschichte, die Twin Peaks am nächsten kommt, aber vom Spieler in Sachen Spielbarkeit viel Toleranz abverlangt. Wer das aufbringen kann, wird ein unglaubliches spielerisches Erlebnis erleben, zu dem man getrost eines Tages zurückkehren können wird. Versprochen! Und guten Rutsch ins neue Jahr 2015 an dieser Stelle!😉

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