Und es geht fantastisch weiter mit…. „Record of Lodoss War“

lodoss 2Nachdem ich den Rewatch von „Vision of Escaflowne“ vor einigen Wochen beendet hatte, war ich auf den Geschmack gekommen! Ein weiteres Fantasy-Epos musste her. Was das betrifft, bietet die japanische Serienlandschaft ja mehr als genug, aber es sollte schon was qualitativ Hochwertiges sein. Da habe ich doch mal vor einem halben Leben jene Serie namens „Record of Lodoss War“ gesehen. Warum in der Ferne schweifen, wenn das Glück möglicherweise längst vor den Füßen oder seit Jahrhunderten im Medienregal liegt? Aber lag es das auch?…

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Die Geschichte der „Chroniken des Lodoss-Kriegs“ ist schnell und simpel erzählt. Parn, ein junger Heisssporn, will es seinem Vater gleichtun und ein Ritter im Dienste der Nation Valis werden. Denn diese steht kurz davor einen Krieg mit der Nation Marmo um die strategisch wichtige Insel Lodoss zu beginnen. Angeführt von dem düsteren Imperator Beld und seiner Handlanger, dem schwarzen Ritter Ashram, der Dunkelelfe Pirotess, dem Schwarzmagier Vagnard und der unheimlichen Hexe Karlla, sind die Truppen Marmos bereits auf dem Vormarsch nach Valis. Dem kommenden Krieg Einhalt gebieten wollend, schart Parn eine Gruppe von Helden um sich: Den Heiler Etoh, den Magier Slayn, den Zwerg Ghim, den Dieb Woodchuck und die Elfe Deedlit. Damit stellen sie bereits eine zweite Generation von Helden dar, deren Vorgänger unter anderem die ehemals befreundeten Machthaber von Valis und Marmo waren.

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Doch die illustre Truppe hat eine lange Odyssee vor sich und muss vor allem erst sondieren lernen, wer denn eigentlich der wirkliche Feind im Kampf um Lodoss ist.

Zugegeben, die Geschichte von „Record of Lodoss War“ liest und schreibt sich alles andere als originell, im Gegenteil ist sie grundsolide und stellenweise klischeehaft inszeniert. Doch all das macht gar nichts aus, denn die Geschichte ist mit voller Absicht klassisch inszeniert worden. Der japanische Autor Ryo Mizuno war ein großer Fan des Gesellschafts-Rollenspiels „Dungeons & Dragons“ und hatte als Spielleiter für seine Freunde die Welt um den Lodoss-Krieg erdacht, gespielt und deren Abenteuer in schriftlicher Form eines Romans festgehalten, der ein richtiger Bestseller werden sollte.

lodoss 3So erfolgreich, dass das Zeichentrick-Studio Madhouse im Jahre 1990 darauf aufmerksam wurde und beschloss eine Umsetzung des Stoffs zu kreiren. 13 Episoden einer Direct-to-Video-Produktion wurden anberaumt, nur um nach 10 Folgen festzustellen, dass man nicht mal ein Drittel verfilmt hatte. Um den Zuschauern kein offenes Ende zu präsentieren, entschloss man sich die Handlung innerhalb der letzten 3 bis 4 Folgen abzukürzen. Insgesamt ist dabei ein sehr rundes und zeichnerisch hochwertiges Spektakel entstanden. Die Geschichte funktioniert zugegeben sehr geradlinig ohne große Abweichungen und Überraschungen. Besonders daran ist allerdings, dass die Fantasy-Welt vollkommen an westlichen Produktionen orientiert ist. Und in ihrer Einfachheit wirkt die Serie damit unglaublich stimmig. Die Guten sind die Guten und die Bösen sind nunmal regelrechte Arschlöcher. Diese klare Unterteilung in Schwarz und Weiss überlässt dem Zuschauer eine klare Projektionsfläche und Identifikation dafür, wie man sich selbst in Tagträumen eben sehen würde, oder was Gesellschafts- und Videospielern Anlass gibt, in ein Rollenspiel abzutauchen. In unserer Fantasie wollen wir nicht grau sein, sondern eben zum Licht oder zur Dunkelheit gehören. Ohne Schnörkel!

lodoss 5Überzeugen kann die Serie auch in der Hochwertigkeit ihrer Produktion. Klar, selbst für eine OVA-Produktion der frühen 90er ist die Animation eher schwach und behelfsmäßig. Farblich und zeichnerisch erinnert sie an Holzschnitte und Illustrationen von Fantasy-Romanen. Musikalisch wird zu jeder Situation die richtige Stimmung erzeugt; Schlachtengetümmel mit dramatischen Requien, ruhige Momente durch zärtliche Melodien, Fanfaren beim Wirken von Zaubern… Auch wenn die Serie vorzeitig und etwas überhastet abgeschlossen wurde, gibt es dennoch Grund genug aufzuatmen, denn genau 8 Jahre später sollte sie in Form einer TV-Serie fortgesetzt und zu Ende gebracht werden. Wir sind verwöhnt von Produktionen, die mit Unvorhersehbarkeit aufwarten. „Record of Lodoss War“ ist keine Serie, die uns auf inhaltlicher Ebene überraschen wird, aber was ihr gelingt, ist es, den Zuschauer in ein fremdes Land zu entführen und sich in die Rolle des Helden oder gar des Bösewichts (?) hineinzuversetzen und alles um sicher herum vergessen zu lassen.lodoss 1

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4 Gedanken zu „Und es geht fantastisch weiter mit…. „Record of Lodoss War“

  1. Ich habe die OVA gestern und heute angesehen und empfinde die Geschichte wie du bereits beschrieben hast als sehr flach. Im Fantasy-Bereich scheint auf inhaltlicher Ebene an Berserk nichts heranzukommen.

    • Schön, dass wir da einer Meinung sind. Zumindest fast. Mir persönlich war Berserk zu knochenbrecherisch und brutal. Fantasy als Genre an sich lebt ja nun mal von ein paar gängigen Klischees, die auch vorhanden sein dürfen. Die Frage ist ja, mit welchem Vorsatz man sich so ein Werk zu Gemüte führt? Schaut oder liest man Fantasy, weil man die grosse Handlungsinnovation sucht und erwartet, dass mit sämtlichen Konventionen des Genres gebrochen wird? Oder will man möglicherweise ein einfach erzähltes Heldenlied erleben? Dass es diese einfach erzählten Fantasy Geschichten zu Haufen gibt, hat ja den Grund, dass sie etwas elementares in uns anregen können. Ich mag je nach Stimmungslage sowohl das eine, wie das andere. Aber klar, da gebe ich vollkommen Recht. Mit Record of Lodoss War wollte keine innovative, sondern eine herkömmliche Geschichte erzählt werden. Ein Apfel bleibt somit ein Apfel und eine Kiwi eine Kiwi. 🙂

      • Ich habe ja nichts gegen Drachen, Elfen und Zauberer. Im Gegenteil. Das Setting der Serie ist wirklich gut. Aber daraus lässt sich doch mehr machen als ein simples Gut gegen Böse. George Martin und Kentaro Miura beweisen, dass eine Fantasiegeschichte, die im Mittelalter angesiedelt ist, sehr vielschichtig sein kann und damit meine ich nicht nur die Charaktere, sondern auch den Verlauf der Handlung. Vielleicht kennst du ja im Anime- oder Mangabereich etwas Vergleichbares.

      • Ganz ehrlich? Ich traue es mich kaum zu sagen, aber Ich finde GoT totlangweilig. Warum das den Massensgeschmack der Allgemeinheit so derbe trifft,ist für mich unergründlich *schäm* Wenn es um komplexe Geschichten geht aus dem Manga-Bereich, empfehle ich 20th Century Boys von Naoki Urasawa. Ist zwar nicht Fantasy, aber so ziemlich die tollste und wendungsreichste Geschichte aller Zeiten, die ich kenne. Aber ist doch toll, dass die Geschmäcker so vielfältig sind.

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