„The Vision of Escaflowne“ – Zeitlos gut…

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1996…. ach Du meine Güte. Da war ich die meiste Zeit über 15 Jahre alt, Ende des Jahres dann 16. Über die Welt der japanischen Zeichentrickfilme wusste ich noch fast gar nichts und doch mehr als viele andere. Und in Japan lief bereits eine Serie, die die animationstechnische und erzählerische Qualität der Anime auf ein vollkommen neues Level heben sollte: „Vision of Escaflowne“. Doch wie gut ist diese Serie heute noch, 18 Jahre nach ihrer Erstausstrahlung?

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Hitomi Kanzaki ist 16 Jahre alt, ein Schulmädchen im Japan der Gegenwart, sportlich, esoterisch affin, leidenschaftliche Läuferin und dennoch gerät sie nicht etwa in die Handlung der populären Sport-Serien, sondern in ein Abenteuer völlig fantastischer Art. Als sie ihren Schwarm Amano mit einer sportlichen Meisterleistung beeindrucken will, taucht aus dem Himmel ein Blitz auf und mit ihm ein junger Mann in Rüstung und ein krötenartiger Drache. Als Hitomi dem Krieger mit ihren Vorahnungen hilft, das Vieh zu besiegen, nimmt dieser sie zum Dank auf einen Ausflug mit in seine Welt, Gaea, einen Planeten hinter dem Erdenmond. Klassische Fantasy-Welt, angelehnt ans europäische Mittelalter. Kaum angekommen stellt Hitomi fest, dass der junge Mann nicht irgendwer ist, sondern Van Farnel, König von Farnelia. Hitomis Trip nach Gaea könnte so schön sein, wäre da nicht das zunehmend stärker werdende imperialistische Reich Zaibach.

es1Die Anführerschaft ist für Aussenstehende nicht vollkommen klar. Einerseits zieht ein alter Mann namens Dornkirk im Hintergrund die Fäden, ausführende Macht ist jedoch der ungewöhnlich ruhige General Folken und dessen rechte Hand, der androgyne hochgradig aggressive Dilandau (dessen Geschlecht nicht vollkommen eindeutig ist). Als Farnelia von den Zaibachern niedergebrannt wird, fliehen Hitomi, Van und dessen Menschenkatze Merle mit der mechanischen Riesenrüstung Escaflowne. Angetrieben wird diese Rüstung, wie viele andere auch in Gaea mittels einem Drachenherz, mit dem Van einen Blutpakt geschlossen hat, wodurch jegliche Beschädigung Escaflownes auch zu einer körperlichen Verletzung führt. Unterwegs lernen sie den galanten Ritter Allen Shezar von Asturia kennen, mit dem sie den Plan schmieden, das Zaibach-Imperium zu besiegen.

es3Leichter gesagt als getan, denn die Helden stehen noch am Anfang ihrer bevorstehenden langen Reise. Hitomi soll dabei mit ihren Vorahnungen noch zum nützlichen Werkzeug im Plan gegen die Zaibacher fungieren, wird emotional verwirrt werden und feststellen, dass Van und Allen mehr dunkle Geheimnisse haben, als ihr zu Anfang bewusst gewesen ist. Und sie wird feststellen, dass Gaea mit der heimatlichen Erde mehr gemeinsam hat, als nur den Kontinent Atlantis. Denn dass ausgerechnet Hitomi dort gelandet ist, geschieht nicht ohne Grund.

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„The Vision of Escaflowne“ sollte erst Jahre nach seiner Erstausstrahlung nach Deutschland kommen. Dabei fand die Serie die unterschiedlichsten Veröffentlichungen und Ausstrahlungen. Die erste Auflage wurde auf 8 VHS Kassetten mit deutschen Untertiteln veröffentlicht, später dann wurde die Serie in einer durchschnittlichen Synchronfassung bei MTV gesendet. Diese Fassung hat ihren Weg auf 8 Einzel-DVDs gefunden, mittlerweile ist die Serie günstig in einer edlen Gesamtbox zu haben, mit remastertem Bild (bis auf den großartigen Vorspann, der wie ein altes Video mit Real-Codec daherkommt. Pixelig und unwürdig). Die deutsche Synchronfassung ist insofern etwas daneben, weil die Dialogregie offenbar die Serie noch nicht vollständig gesehen hatte, aber schon vorschnell mit den Aufnahmen begann. Dadurch ereignete sich ein grober Patzer, der Dilandau vorzeitig als „Frau“ ausweist, obwohl er eigentlich den Körper eines Mannes besitzt.

es6Kommen wir aber zu den positiven Aspekten der Serie, denn sie ist heute immer noch zeitlos gut, wie ich in der Überschrift verriet. Die Animationen sind für eine TV-Produktion immer noch auf höchstem Standard. Die Handlung spannend und unvorhersehbar. Besonders originell und vielseitig kommt allerdings der Soundtrack daher, der zu jeder Stimmung die passende Untermalung bietet. Mal orchestral pomös in den Kampfszenen, dann wieder verträumt bei den inneren Dialogen. Die Charaktere sind sympathisch und alles andere als nur gut oder nur böse. Die Farbvielfalt und Hintergründe kommen dem Niveau eines Ghibli-Films nahe. Das Design der Figuren von Nobuteru Yuuki lässt fast auf eine filigrane Comic-Vorlage schliessen, der die Serie aber vollkommen entbehrt. Es gibt zwar eine Comic-Adaption des Stoffes, diese ist allerdings hinterher entstanden und visuell und inhaltlich als vollkommen fragwürdig einzustufen.

es5Das Tempo der Erzählweise ist angenehm, wenn auch nach Jahren objektiv ein paar Schwächen auffallen. Hin und wieder driftet die Serie ein wenig zu sehr ins Unerklärliche und Esoterische ab. Etwas zu oft haut Aggro-Boy Dilandau gerade in der ersten Hälfte der Serie auf den Putz um dann ab der Mitte für 10 Folgen gar nicht mehr aufzutauchen. Hier hätte ein bisschen mehr Ausgewogenheit der Geschichte gut getan. Dennoch muss ich ganz klar sagen, dass „The Vision of Escaflowne“ immer noch zum Besten gehört, was man sich an Zeichentrickserien aus dem fernen Japan zu Gemüte führen kann. Es ist eine Produktion bei der noch jeder Handgriff sitzen  und die Gelder gut eingesetzt werden mussten um die japanischen Sende-Anstalten überhaupt davon zu überzeugen, dass ein derart hohes Produktions-Budget rentabel sei. Ich kann die Serie daher allen Animations-Freunden sehr ans Herz legen!

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4 Gedanken zu „„The Vision of Escaflowne“ – Zeitlos gut…

  1. Oh da kommen dunkle Erinnerungen hoch. Das habe ich damals auch immer geschaut, es lief glaube ich auf Viva (bin mir nicht sicher) aber ich fand die Serie einfach nur genial gemacht🙂

    • Gut, in einem Atemzug mit „Hellsing“ kann mans eigentlich nicht nennen, aber es lief durchaus im selben Zeitraum. Auch der Gesprächsbedarf dürfte bei Escaflowne sicherlich ergiebiger sein. Wie gesagt: Die Serie ist immer noch gut guckbar.🙂

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