Bellflower – „Mach ihm nen richtig beschissenen Bart!“

b0Bedeutet das Ende einer Beziehung den Weltuntergang? Diese Frage stellt Evan Glodell in seinem 2011 entstandenen Film „Bellflower“. Oder ist die Apokalypse gar die Lösung um das Ende einer Beziehung zu überstehen? Wie auch immer, in dem Film geht es um die beiden Freunde Woodrow und Aiden, die von Wisconsin nach Los Angeles gezogen sind. Was machen die beiden so? Sie erfüllen sich Ihren Kindheitstraum und bauen einen Flammenwerfer….

b2Der Film „Mad Max“ hat Aiden und Woodrow schon seit der Kindheit fasziniert. Wenn die Endzeit kommt, wollen die beiden AUF JEDEN FALL mit ihrem umgebauten Auto durch die Wastelands ziehen, im Auspuff jenen Flammenwerfer. Sie wollen Kleintiere schiessen, sich aus deren Fellen Kleidung schneidern und sich nehmen, wonach immer ihnen gelüstet. Eines Abends lernen die Freunde die beiden jungen Frauen Milli und Courtney bei einem Erlebnis-Gastronomie-Event kennen, wo es darum geht, die meisten Heuschrecken zu verzehren. Woodrow findet Gefallen an der Pomeranze Milli, die er in den folgenden Tagen auf einen Car-Trip nach Texas mitnimmt um im beschissendsten Restaurant zu dinieren, das er kennt.

b5Während und vor allem nach dem gemeinsamen Ausflug kommen sich die beiden näher und beginnen eine Beziehung. Doch nach einem phänomenalen Beziehungsstart kommt es zur Katastrophe. Milli nötigt Woodrow sich einen Bart wachsen zu lassen (obwohl dieser Bärte hasst) und betrügt diesen mit ihrem Mitbewohner Mike. Als Woodrow die beiden in Flagranti erwischt und wutgeladen aufs Motorrad steigt, nimmt die Geschichte eine böse Wendung….

„Bellflower“ ist ein Independent- und Autorenfilm von Evan Glodell. Er führte nicht nur Regie, schrieb das Drehbuch, produzierte den Film, nein, er spielte sogar die sympathische Hauptrolle des Woodrow. Und das Ganze mit einem Budget von nur 17.000 US Dollar.

b3Während der Film in der ersten Hälfte eine Art spätes Coming-of-Age-Drama einiger Spät-Zwanziger in LA darstellt, weiss der Film vor allem in der zweiten Hälfte den Zuschauer zu überraschen, verwirren und über das Gesehene nachdenken zu lassen. Dabei lässt der Film aus meiner Sicht dreierlei Interpretation des Endes zu. Der Zuschauer wird dabei vor die Wahl gestellt, ob er das Ende des Films interpretiert als Wahnvorstellung einer Gehirnverletzung (Vanilla Sky lässt grüssen), als Verarbeitungs-Fantasie einer tragisch gescheiterten Beziehung oder als extremes Resultat einer tragischen Beziehung, bei dem am Ende die Wunschvorstellung bleibt, wie es gewesen wäre, wenn das alles nie passiert wäre.

b4Für welche der drei Varianten der Zuschauer sich entscheidet bleibt einzig und allein ihm überlassen. Das ist das Schöne an diesem Film. Statt einer vorgefertigten Interpretation hinterlässt er drei Varianten das Ende des Films zu verstehen. Der Soundtrack des Films ist gleichzeitig modern, wie auch geprägt von Neuinterpretationen bekannter Pop-Songs, angeführt von Kate Bushs „Wutherin Heights“. Die Schauspieler von Aiden und Woodrow agieren mega-sympathisch auch wenn man nicht in der Car-Tuning-Szene steckt. Die Rolle der Milli ist ambivalent. Ist sie anfangs das Objekt der Begierde Woodrows, wandelt sie sich zunehmend zur Femmè Fatale des Films. Alles in Allem verbleibt ein ganz besonderer Film über die Verarbeitung einer gescheiterten Beziehung eines nicht mehr ganz so jungen Mannes. Der Spagat zwischen idealistischer Männer-Freundschaft und leidenschaftlicher Beziehungsführung ist thematisch maßgeblich für diesen tollen Film. – An dieser Stelle vielen Dank an T-Bag, die mir dieses kleine Meisterwerk empfohlen hat.

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