„Re: Cyborg 009“ – Seine Stimme – Wessen Stimme?

rc0Sehr geehrter Herr Kamiyama! Lassen Sie mich direkt und ohne Umschweife zur Sache kommen…. WAS SOLL DER SCHEISS? 2 Jahre lang gedulde ich mich, seit der ersten Sichtung des Trailers von „Re: Cyborg 009“, bin freudig gespannt, meide jede alternative Methode den Film vorher zu sehen, ja ich toleriere sogar den Griff in die CGI-Kiste. Und was bekomme ich geboten?

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Ach, es hätte so wunderbar, so schön werden können, als ich heute endlich die deutsche BluRay von „Re: Cyborg 009“, der neusten Interpretation der Geschichte um die Cyborgs sah. Wer meine Review von „Legende der Super-Galaxie“ gelesen hat, weiss, wieviel positive Kindheitserinnerung und nostalgischer Verklärung ich mit dem Mythos um die Cyborgs mit den eingängigen Nummerierungen verbinde. Wie soll ich mich nach dem Konsum dieses Films je wieder für Shotaro Ishinomoris zauberhaftes Meisterwerk begeistern? Aber gut, fangen wir einfach mal mit der Handlung an, um mein Ärgernis zu verstehen: Gegen ihren Willen wurden 9 Menschen aus der ganzen Welt in Cyborgs umgebaut. Joe Shimamura, alias Cyborg 009, der mittels eines Knopfs im Zahn seine Bewegungen beschleunigen kann, lebt bereits seit 3 Jahren ohne Wissen an seine Superhelden-Identität und ohne Erinnerung an seine Mitstreiter als einfacher Schüler in Japan. Und das obwohl eine Reihe von Terror-Anschlägen auf Hochhäuser (9-11 lässt grüssen) die Welt in Angst und Schrecken versetzt.

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Allesamt wurden die Anschläge von angeblichen Schläfern verübt, die von „seiner Stimme“, einer höheren Instanz dazu veranlasst wurden. Als selbst Shimamura kurz davor steht, einen Anschlag zu verüben, wird er von seinen ehemaligen Mitstreitern unter der Führung von Proffessor Gilmore reaktiviert. Nun geht die Forschungsarbeit los. Mehrere Faktoren werden von den 9 Cyborgs untersucht. Ein seltsames Engel-Fossil, eine Geistererscheinung eines kleinen Mädchens, ein Zombie-Soldaten-Projekt der National Security Agency und die große Frage, wer eigentlich „seine Stimme“ ist…. und die Antworten auf alle diese Fragen GIBT ES NICHT! Stattdessen suhlt sich der Film in der Frage, ob Gott eine tatsächliche Existenz hat, von den Menschen auf psychologischer Ebene erschaffen wurde, oder ob der Mensch durch sein Bedürfnis nach Erschaffung sich selbst als Gott definiert.

rc1Puh, ich war richtig angepisst nach dem Konsum dieses Films. „Cyborg 009“ gehört in allen vorigen Interpretationen zu einem für mein Verständnis, unumstößlichen Manga/Anime-Erlebnis mit Kult-Faktor. Aber das was Kenji Kamiyama (Jahrgang 1966, wohnhaft in der Saitama-Präfektur, und Regisseur toller Produktionen wie „Stand Alone Complex“ oder „Eden of the East“) hier geschaffen hat, tritt das Erlebnis mit Füßen. Gut, seien wir fair: Nicht ausschliesslich! Kommen wir zu den positiven Aspekten des Films. Die Cyborgs wurden wunderbar neu interpretiert. Alle Charaktere bis auf 002 (Jet Link) sind wiederzuerkennen und vorlagengetreu aufgezeigt. Einzig kritisieren kann ich an den Charakteren, dass sie möglichst realitätsgetreu umgesetzt wurden. Befanden wir uns in den früheren Serien bereits im Laserwaffen-Zeitalter, so wurde mein Lieblings-Cyborg 004 mit Patronen-Munition ausgestattet und 002 aerodynamisch zu einer halben Rakete umfunktioniert.

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Die CGI-Animation ist mit Cel-Shading so verfeinert worden, dass man zu 99% das Gefühl hat, einen echten Zeichentrickfilm zu bewundern. Die Animationen sind jederzeit großartig und die musikalische Untermalung passend wie die Faust aufs Auge. Und dennoch überwiegen die Kritikpunkte. Erstens: Wer eine der Serien gesehen hat, weiss, welch fantastische Abenteuer die Cyborgs auf der Erde und im Weltall erlebten. Sie kämpften gegen eine böse Organisation unter der Führung des maskierten Bösewichts „Black Ghost“, sie beschützten die Erde sowohl vor einer ausseridischen Invasion, als auch vor den wiederkehrenden Göttern des Olymp. Und wer ist der Bösewicht in diesem Film? Augenscheinlich irgendein Terrorist, der hinter „seiner Stimme“ steckt. Überhaupt wirkt das ganze amerikanisierte Anti-Terror-Setting wie der Serie „24“ entlehnt. Ja, man wartet gar auf einen animierten Gast-Auftritt von Jack Bauer. Bei all den tollen kreativen Gegnern ein massiver Rückschritt. Dann auch noch eine zermürbend lange Monolog-Szene in einer Kirche, in der über die Defintion von Gott referiert wird. Und der zweite, größte Kritik-Punkt ist, dass der Film viele konventionelle Fragen aufwirft, allerdings überrachend mit Holzhammer am Ende klarmacht: „Halt! Alles was hier passiert ist, ist im metaphysisch-philosophischen Kontext gemeint gewesen!“. Und was antworte ich als Zuschauer darauf? „Fuck you, Mr, Kamiyama!“

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Meine geliebten Cyborgs für so eine Message zu missbrauchen ist eine absolute Frechheit! Shotaro Ishinomori würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er sehen würde, wie sein unumstößliches Fundament hier dramaturgisch vergewaltigt worden ist. Bedanken möchte ich mich dennoch an dieser Stelle bei der Universum Film-AG, die den deutschen Zuschauern (ohne jeglichen Bezug um Original) diesen Film mit einer großartigen Synchronisation zugänglich gemacht hat. Wer noch nie etwas von den Cyborgs gesehen hat, wird dank dieses Films auch garantiert nichts weiteres von ihnen sehen wollen.:/ Ich schaute diesen Film mit der Absicht, ihn Euch allen empfehlen zu können. Tatsächlich muss ich aber nach meinem ersten Eindruck davon abraten, ihn zu sehen. Die einzige Möglichkeit diesen Film noch in irgendeiner Weise legitim für mich zu verbuchen, ist ihn als fieberhafte verfilmte Fan-Fiction von Herrn Kamiyama zu verbuchen. Schade, Schade, Schade! Tausendfaches Schade!

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