Fable Anniversary – „Einmal kalten Kaffee mit Ketchup, bitte!“

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2004 hatte ich echt viel Spass mit Peter Molyneux Meisterwerk „Fable“. Eine Erfahrung die ich gerne wiederholt hätte. Umso erfreuter war ich, als dieses Jahr relativ sang- und klanglos plötzlich ein Remake zum zehnten Jubiläum des Spielklassikers in den Regalen stand. Da es sich in meiner Erinnerung um ein relativ kurzweiliges Spiel handelte, machte ich mich auf, ins fantastische Albion zurückzukehren…

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Alles auf Anfang. Als kleiner Junge starte ich im idyllischen Örtchen Oakvale, und bekomme direkt eine kleine Einführung in das Hauptfeature des Spiels: Moralische Entscheidungsfreiheit. Bin ich ein guter Junge oder ein böses Frettchen? Nachdem Oakvale von einer Räuberbande gebrandschatzt wird, werde ich von der gütigen Heldengilde aufgenommen und wachse in deren Mauern zu einem stattlichen jungen Mann heran, der die Kunst des Schwertkampfs, der Zauberei und des Bogenschiessens erlernt. Ja und nun? Ich hangle mich von Quest zu Quest, lerne die anliegende Stadt Bowerstone ein wenig kennen. Ich werde immer vor die Wahl gestellt, ob ich mich wie die Axt im Walde verhalte oder die Spielregeln einhalte und mich zu benehmen weiss.

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Nach einer Weile finde ich meine Schwester in einem Räuberlager wieder, beginne eine Schule mit Literatur zu versorgen, kaufe mir ein Haus, pimpe es auf, heirate eine Frau und werde zunehmend älter. Alles was ich tue spricht sich ratzfatz in Albion herum und meine Umgebung reagiert auf mich. Und letztendlich läuft alles auf einen Showdown mit dem maskierten Schurken Messer-Jack hinaus.

Klang meine Zusammenfassung ein wenig unmotiviert? Genau das war ich auch irgendwie beim Durchspielen von „Fable Anniversary“. Zwar habe ich das Spiel innerhalb von 22 Stunden zum Ende gebracht, aber insgesamt hatte ich es besser in Erinnerung, als es tatsächlich heute auf mich wirkte. Klar, die Grafik wurde aufgehübscht. Aber das war es auch schon. Alle Kinderkrankheiten des Spiels sind geblieben, ja es sind sogar einige neue dazugekommen!

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Am allerschlimmsten wogen die unzähligen Abstürze während des Spiels, bei denen lediglich nur noch ein Neustart der Konsole Abhilfe schaffte. Und schlimmstenfalls kamen diese während eines Quests vor, so dass ich diesen nochmal komplett von vorne beginnen musste. Ich finde es ja echt super, wenn alte Spiele in HD neu aufgelegt werden, aber ich finde, „Fable“ hätte aus heutiger Sicht mehr gebraucht, als nur neue Texturen. Hält man sich vor Augen, dass das Spiel eigentlich 10 Jahre alt ist, kann man darin viel Eigenständigkeit und wegweisende Faktoren erkennen. Moralische Entscheidungen haben seit Fable Einzug in unzählige weitere Spiele erhalten und sind vor allem in westlichen Rollenspielen nicht mehr wegzudenken. Und das Feature des zunehmend alternden Helden wurde gekonnt umgesetzt und wurde SO nur in den beiden Fortsetzungen gesehen und nirgendwo anders. Der Fokus von Peter Molyneux lag weniger darauf eine große Fantasy-Welt zu kreiren, sondern eine Geschichte auf kleinem Raum aber mit viel Interaktion zu kreiren.

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Im Grunde genommen ist „Fable“ durch die sozialen Interaktionen mit den NPCs und das Feature der Hauseinrichtung und Familiengründung tatsächlich eher ein Spiel, dessen Fähigkeiten von einer weiblichen Spieler-Gemeinde erkannt werden dürfte. Denn Fable schlägt damit schon in die Sims/Animal Crossing-Kerbe. Als männlicher Spieler habe ich eher das Bedürfnis, Abenteuer zu erleben und was das betrifft bietet Fable gefühlte 15 Mini-Quests, lieblos aneinandergereiht, mit wenig Dialog versehen und plump dahererzählt. Auf der Handlungsebene versagt das Spiel damit auf ganzer Linie. Und auf der Ebene der Epik bleibt nicht viel übrig. Das Allerschlimmste an dem Spiel sind jedoch die furchtbar kleinen Areale, die zwischeneinander mit Lade-Zeiten verbunden sind. Ich habe noch nie ein Spiel erlebt, bei dem ich das Gefühl hatte, öfter den Lade-Screen zu sehen, als tatsächlich spielen zu dürfen. Am Ende blieb noch eine handvoll kleinerer Quests und Achievements zurück, die ich nach dem Final Fight hätte bestehen können, aber unter dem Umstand der Ladezeiten und der unberechenbaren Abstürze habe ich darauf verzichtet.

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Ich will kein Arsch sein. „Fable“ hat seinerzeit vieles richtig gemacht. Den Fokus auf eine atmende Welt zu legen ist auch heute noch einzigartig. Reduziert auf seine Stärken ist Fable ein prinzipiell gutes Spiel, stinkt aber zum Beispiel gegen das durchaus visuell und spielerisch vergleichbare „Kingdoms of Amalur“ in Sachen Epik, Spielzeit und Gehalt ab. Die Produktionsfirma Lionhead hätte ein wenig mehr als nur die Grafik aufpimpen sollen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sie mit diesem Endergebnis zufrieden sind. Ich bin es nicht, möchte mich jetzt im Anschluß allerdings noch auf „Fable II“ einlassen um den etwas bitteren Beigeschmack zu verwässern. Empfehlen kann ich das Spiel eigentlich keinem, am allerwenigsten aber jenen, die das Original vor 10 Jahren gespielt haben.:/

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