„Der große Knall“ – Pichas dritter Streich

ImageWährend des kalten Krieges hätte es eigentlich passieren müssen: Der dritte Weltkrieg. Genau mit diesem Thema beschäftigt sich der Belgier Jean-Paul Picha in seinem dritten abendfüllenden Zeichentrickfilm. Nachdem er 1979 mit „Das fehlende Glied“ die Entstehung der Menschheit fabuliert hatte, brachte er mit „Le Big Bang“ 1987 praktisch das Gegenstück über das Ende der Menschheit ins Kino. Darf man weiterhin begeistert sein oder erwartet den Zuschauer diesmal ein Fiasko?

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Es wird geknallt! Und das vom Feinsten! Man schrieb das Jahr 1994, auf dem Höhepunkt des kalten Krieges jagt ein kleiner Miafiosi mit einer Atombombe ganz Sizilien in die Luft. Und es geht los. Sämtliche Länder der Erde bombardieren sich, so dass am Ende nur noch zwei große Landmassen übrigbleiben: Amerika und Russland sind zu einer Koalition verschmolzen, die sich die USSSR nennt undlediglich von Männern bewohnt wird. Auf der zweiten Landmasse haben sich alle Frauen zusammengerottet, bekannt als Vaginia. Beide Nationen haben zwei gigantische Bomben entworfen genannt „Der Große“ und  „Big Mama“, mit denen sie vorhaben den Konflikt ein für alle Mal zu beenden.

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Nur der galaktische Rat erkennt, dass ein Zusammentreffen beider Bomben nicht nur die Erde, sondern das ganze Universum vernichten könnte. Also beauftragen sie einen echten Superhelden, auf die Erde zu fliegen und den Konflikt zu schlichten: Den Müllmann Super-Fred. Dieser entsorgt gerade mit seinen Kollegen Darth Vader und Conan, dem Barbaren ein Wesen, dass E.T. sehr ähnlich sieht. Nachdem Fred als Upgrade seiner Superkräfte eine 60-Watt-Glühbirne in den Schambereich geschraubt bekommt, beginnt sein Abenteuer mit dem Flug zur Erde und dem Zusammentreffen mit den Männern der USSSR.

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Diese sind bereits hochgradig mutiert, allesamt unter wegfaulenden Gesäßen leidend. In einem Geheimlaber der Regierung werden von ihnen Super-Soldaten gezüchtet aus japanischen Kleinwagen und Hitler-Sperma. Als Super-Fred nicht auf die Idee eingeht im Rahmen der USSSR den Frauenstaat Vaginia einzustampfen, muss dieser mit der letzten verbliebenen Frau fliehen. Also prügelt er sich aus dem Bunker heraus, in der Hoffnung mehr Glück mit den Vaginianerinnen zu haben.

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Doch auch mit denen hat er es nicht leicht zumal sie Kastrations-Exzempel an Männern statuieren und damit die USSSR provozieren. Zudem kann die mehrbrüstige Anführerin von Fred nicht ausreichend befriedigt werden. Es kommt zu einer verbalen Auseinandersetzung der Oberhäupter, die darin mündet, dass „Der Große“ wie auch „Big Mama“ gestartet werden. Und auch wenn die darauf folgenden Bodenkämpfe zwischen Männern und Frauen darin münden, dass man sich zum Schluß wieder vervögelt, ich meine versöhnt, kann Super-Fred den großen Knall zwischen dem Großen und Big Mama nicht verhindern…

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Seit „Das Fehlende Glied“ hat Picha animationstechnisch ein wenig dazugelernt. Die Farben wirken bunter, die Figuren plastischer und die Effekte überzeugend. Mit den Gags sind ihm richtige Brüller gelungen, immer politisch unkorrekt, chauvinistisch, sexistisch, aber auch verdammt feministisch. Männer wie Frauen bekommen gleichermaßen in dem Film ihr Fett weg. Die zahlreichen Anspielungen auf Science Fiction-Filme und Gesellschaft wissen zu funktionieren. Bei jenem Seitenhieb auf Hitler am Hakenkreuz hängend verteilt Picha gleichermaßen Seitenhiebe auf die Neonazi-Szene, wie auch aufs Christentum. Und leider hat Picha einige Ideen aus „Schande des Dschungels“ in diesem Film recycled, aber dennoch hat er es mit Bravour getan.

knall4Musikalisch kann „Der große Knall“ nicht derart vielfältig wie der Vorgänger aufwarten, sondern bietet mit „Ay Ay Mambo“ einen rhythmischen Samba zum allgemeinen Rein-Raus-Effekt. Wir haben es allgemein hier mit einer Satire zu tun. Es sollte nur noch wenige Jahre dauern bis „The Simpsons“ uns einen bissigen animierten Gesellschaftskommentar bieten sollten. Und genau das nimmt „Der große Knall“ vorweg und pointiert es frecher denn je. Der dritte Picha-Film ist nicht so gut, wie der zweite, aber dennoch ein sehenswerter Zeichentrickfilm für Erwachsene.

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