„Das fehlende Glied“ – Pichas zweiter Streich!

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Sooo, der Dezember war so vollgeklatscht mit Terminen, dass ich jetzt einen Monat nicht zum bloggen gekommen bin. Aber das wird sich ab jetzt (hoffentlich, aber nicht versprochen) ändern. Vor einiger Zeit habe ich Euch Jean-Paul Pichas ersten Film „Schande des Dschungels“ vorgestellt. Trotz des großen Erfolgs hatte Picha sich bis zum Jahr 1979 Zeit gelassen, einen weiteren Film zu veröffentlichen. Doch was lange währt, wird ewig gut. Und so verhält es sich auch mit „Le Chainon Manquant“, zu deutsch „Das fehlende Glied“…

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Die Geburt der Menschheit steht bevor. Während die sogenannten ersten „Menschen“ zu einem Dasein in völliger Primitivität verdammt sind, kommt es zu einer genetischen Mutation, die einst von Darwin Evolution genannt werden sollte.Das Menschenkind O und der Brontosaurier Igua teilen das selbe Schicksal. Beide fallen weit vom Stamm. Und was der Steinzeittrottel nicht kennt, das akzeptiert er nicht, woraufhin O verstoßen wird und zusammen mit Igua im Urzeit-Dschungel aufwächst. Im Kleinkindalter lernt er den Pterodactylus Croak kennen, der ihn dazu anstiften will, das Fliegen zu erlernen. Als O schliesslich erwachsen ist, begibt er sich auf eine lange Odyssee um herauszufinden, was ihn in seiner Menschlichkeit auszeichnet.

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Doch aller Anfang ist schwer. Was O nicht realisiert ist, dass ausgerechnet er das fehlende Glied in der Evolutionskette ist, somit der erste seiner Art…unserer Art. Nichtsdestotrotz ist er optimistisch, lernt die freundlichen Nolops kennen, die allerdings bald durch die Dummheit des Menschen ausgerottet werden. Er macht Bekanntschaft mit einer sehr weiblichen Miezekatze, die ihn in die Kunst der Liebe einweist genauso, wie mit einem Drachen, der darunter leidet, dass man ihm das Rektum verkorkt hat. O zerlegt einen Ameisenstaat, macht Bekanntschaft mit im Eis lebenden Inuit und kommt letzten Endes zu seiner Familie zurück. Mit seinem erworbenen Wissen möchte er sie unterstützen, genauso menschlich zu werden, wie er selbst ist.

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Doch all jene nutzbaren Kenntnisse, die O erwarb, wie den aufrechten Gang, das Entfachen von Feuer, die Zubereitung von Essen, den Einsatz von Sprache und das Herstellen von Werkzeug werden von den primitiven Barbaren dazu missbraucht, den ersten Krieg der Menschheitsgeschichte zu beginnen. Aus Verzweiflung und Angst vor den Menschen entschliessen sich alle Urzeit-Echsen derweil zum Massensuizid und O, Igua und Croak resignieren und ziehen sich zu einem erimitären Dasein auf die Osterinseln zurück.

Mit „Das fehlende Glied“ hat Jean-Paul Picha alles richtig gemacht. Er hat einen tollen Zeichentrickfilm für Erwachsene geschaffen, der „Schande des Dschungels“ in allen Belangen aussticht und weit hinter sich lässt. Zeichnungen, Animation, musikalische Untermalung vom großartigen Leo Sayer, Humor, satirische Untertöne, Parodien auf zukünftige Ereignisse…das alles wird in diesem Film so gekonnt umgesetzt, dass man den ganzen Film über kurzweilig unterhalten wird und hinterher mit einem eingemeisselten Grinsen im Gesicht zurückbleibt.

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Dafür sorgt vor allem der episodenhafte Charakter der Handlung und die unglaublich witzige und absurde Flora und Fauna. Sex und Gewalt liegen hier nicht so stark beieinander wie in „Schande des Dschungels“ und das tut dem Film ganz gut. „Das fehlende Glied“ ist selbstverständlich auch hier und da pubertär, aber es verkommt nicht so ganz zum Selbstzweck. Insgesamt muss ich sagen, dass es der wohl bisher stimmigste Film von Picha im Gesamteindruck ist. Und trotz seiner Stärken und der liebevollen Inszenierungen der Figuren konnte der Film nicht soviel Umsatz einspielen, wie „Schande des Dschungels“, wurde aber zumindest beim Filmfestival von Cannes im Jahr 1980 aufgeführt. Es handelt sich ausserdem um den einzigen Film von Picha, den ich vorbehaltlos empfehlen kann. Abschliessend möchte ich noch eine kleine Anekdote anführen.

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Bereits Ende der 80er im Alter von etwa 8 Jahren erwischte ich meinen Vater dabei, wie er diesen Film schaute. Natürlich liess er mich nicht mitschauen, was ich nicht verstehen konnte. Dennoch merkte ich mir den Titel des Films und hatte die VHS mehrfach in den Händen im Kaufhaus und schwor mir selbst, den Film eines Tages zu sehen. Und mit 14 war es dann endlich so weit (zugegeben 2 Jahre bevor ich gedurft hätte) und ich schaute den Film rauf und runter. Und besser noch: Als wir ungefähr ein Jahr später in Biologie das Thema Evolution hatten, habe ich den Lehrer gefragt, ob er wüsste, was „Das fehlende Glied“ sei und dass ich da einen Film zum Thema hätte. 😀 Und es ist kein Witz: In der 9ten Klasse schauten wir alle zusammen in der Klasse „Das fehlende Glied“ und selbst mein Lehrer amüsierte sich königlich. 😀 😀 😀 Demnach ist es zwar kein Film für die Jüngsten, aber dennoch eine Geschichte für jugendlich und alt.

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