Herz und Persönlichkeit wo man sie nicht erwartet – „Thomas was alone“

BildAm Anfang war Thomas! Thomas war allein! Allein in einem dunklen Raum. Als er den Raum verlässt, lernt er den charmanten Chris und den selbstbewussten, großgewachsenen John kennen.  Chris hat ausser seinem Charme im Vergleich zu den anderen beiden keine besonderen Fähigkeiten, was dazu führt, dass die beiden ihn unterstützen müssen, von einem Raum in den anderen zu kommen. Doch da sie sich gut aufeinander verlassen können. Noch ein paar Räume weiter, wird es richtig interessant für das Dreiergespann, als sie die dicke Claire kennenlernen. Doch trotz ihrer Behäbigkeit hat Claire eine übernatürliche Fähigkeit: Sie kann als einzige schwimmen und versteht sich dadurch als Superheldin. „Thomas was alone“ ist ein ganz besonderes Videospiel. Denn die vorgestellten Charaktere sind….QUADRATE!BildUnterschiedlich groß, unterschiedlich gefärbt mit unterschiedlichen Fähigkeiten versehen. Alle Charaktere sind aufeinander angewiesen. Mehr denn je umso weiter das ungewöhnliche Spielerlebnis „Thomas was alone“ voranschreitet. Im Kern handelt es sich um eine Mischung aus Jump´n´Run und Logik-Puzzle. Das besondere dabei ist allerdings die Tatsache, dass ein britischer Erzähler im Hintergrund die einzelnen Quadrate namentlich und charakterlich vorstellt und ihre Gedanken und Gefühle, aber auch sich entwickelnden Beziehungen zu einander verdeutlicht. Etwas umständlich und verwirrend wird dabei die Geschichte von Artificial Life Solutions erzählt, einem Konzern, der an der Entwicklung künstlicher Intelligenzen arbeitet. Doch durch einen Stromausfall entwickeln einige dieser Intelligenzen ein Eigenleben und Persönlichkeit. Und diese werden eben symbolisch durch jene Quadrate dargestellt.

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100 Räume gilt es zu durchqueren. Das Ziel der immer zahlreicher werdenden Intelligenzen ist, in die wirkliche Welt vorzudringen. Doch sie können es nur als Team schaffen. Es ist unglaublich, wie mit einfachsten Mitteln bloßen Quadraten eine Seele eingehaucht wird. Auch wenn der Erzähler in jedem Level 2 bis 5 prägnante Sätze spricht, ertappte ich mich beim Spielen dabei, wie ich in meinen Gedanken Dialoge während der Kooperation der Figuren ersponn. Die Idee ist originell, die Spielweise simpel, die Botschaft dabei ganz klar auf Toleranz zueinander aufbauend. Fast erinnerte mich die Einfachheit der Optik und ihre Symbolik an Bilderbücher für Kinder mit dem Anliegen Verständnis für einander fördern zu wollen. Nicht jeder kann alles. Aber jeder kann etwas ganz besonders gut!

BildOhne seine narrative Erzählweise wäre „Thomas was alone“ lediglich ein ganz stinknormales Logik-Spiel das ebensogut „QuadratiX“ hätte heissen können. Doch durch sein Gesamtkonstrukt schafft das Spiel eine unglaubliche Dichte und emotionale Bindung an die bunten Vierecke. Die ruhige leicht melancholische Musik im Hintergrund berührte mein Herz dabei besonders. Mike Bithell erschuf das ungewöhnliche spielerische Experiment im Jahr 2010 für den PC. 2013 sind Adaptionen für die PS Vita und die Playstation 3 erschienen. Ein Blick lohnt sich allemal, denn die kleinen Quadrate haben meiner Ansicht nach mehr Seele, als zum Beispiel der Cast eines mit seiner Grafik blendenden AAA-Rollenspiels. Einen kleinen Kritikpunkt muss ich jedoch anbringen: Die mehrdeutigen Texte laufen teilweise etwas schnell ab, weswegen man schnell aus der Erzählung rauszurutschen droht.

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Die einzelnen Elemente des Spiels sind an und für sich nichts neues oder weltbewegendes. Spiele, in denen ein Team von Figuren miteinander kooperieren musste, hat es in der Vergangenheit schon gegeben. Denken wir an „The Lost Vikings“…ja denken wir gar an „Fury of the Furries“! Wer sich selbst jedoch eine gewisse Konzentration zutraut und kein Problem damit hat, eine sehr abstrakt erzählte Geschichte verfolgen zu wollen, wird mit „Thomas was alone“ sehr glücklich werden. Ich habe von dem Spiel nichts erwartet und die intensivste Spielerfahrung seit „Journey“ erlebt.

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