„Schande des Dschungels“ – Pichas erster Streich!

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„Afrika! Hier ist mehr als eine Banane krumm! Afrika! Und sie tanzten einen Rumba, Kasaburu und Lumumba! Afrika! Hier hält man Trockendock für eine Hunderasse die stubenrein ist und hier ist immer Feierabendverkehr: Jeder bumst jeden!“… so in etwa beginnt Jean Paul Pichas erster abendfüllender Zeichentrickfilm „Schande des Dschungels“. Quasi die europäische Antwort auf Ralph Bakshis anarchische Zeichentrick-Eskapaden. Kann Picha mit dem großen Hollywood-Vorbild mithalten?…

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Kinder! Jetzt wird es aber echt albern! Der Dschungel als Vagina / Die Vagina als Dschungel? Doch genau so beginnt der Film „Schande des Dschungels“ und führt uns praktisch ein in die wahnwitzige Welt des Jean Paul Picha! „Schande“ ist im Film nicht nur eine Bezeichnung für eine schambehaftete Tatsache, nein, es ist auch der Name des gleichnamigen Protagonisten! Offensichtlich dürfte sein Name auch Tarzan sein, doch der Belgier Picha schaffte es nicht, die Rechte an diesem großen Namen einzukaufen. tar6

Nicht einmal die Tatsache, dass in der amerikanischen Synchronfassung Johnny Weissmüller Junior (Sohn des berühmtesten Tarzan-Darstellers) die Hauptrolle sprach, konnte erwirken, dass die Rechte an dem berühmtesten Lianenschwinger der Welt an diese gekonnte Parodie zufielen. Doch ist es wirklich nur eine Parodie auf Tarzan? Schauen wir mal genau hin!

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Schande ist der König des Dschungels! Niemand macht ihm so schnell was vor, höchstens sein bestes Stück. Denn das will seine Partnerin June nicht mehr richtig befriedigen, und dass obwohl sie ihn noch kurz zuvor auf eine dänische Bums-Schule geschickt hat. Stattdessen muss sie sich nun mit Cheeta dem Affen begnügen, während Schande im Dschungel den Superhelden raushängen lässt. Doch Gefahr naht! Denn die böse, mehrbrüstige Hexe Bazonga hat ein gewaltiges Problem: Eine Glatze. Mit ihrem Helfer, einem siamesischen Zwilling ermittelt sie sich sogleich die schönste Haarpracht zum Verpflanzen, nämlich den Schopf von June.tar10

Prompt schickt sie ihre Penis-Soldaten aus, die blonde Schönheit zu entführen. Was sind eigentlich Penis-Soldaten? Nun, man presst den Inhalt Eingeborener samt Gehirn in ihren Penis, schneidet den Rest weg und schwupps laufen die Dinger auf ihren Hoden! Nun muss Schande alles aufbieten, um seine Geliebte aus den Klauen von Bazonga zu retten!

Ich weiss schon, was der geneigte Leser jetzt denkt: „Wer denkt sich so einen Quatsch aus und bringt ihn als Zeichentrickfilm ins Kino?“ Die Antwort lautet: Jean Paul Picha! Der belgische Cartoonist hat neben ein paar kurzen Fernseh-Shorts wie „Zoo-Olympics“ lediglich vier abendfüllende Zeichentrickfilme produziert, von denen „Schande des Dschungels“ der erste gewesen ist.tar5Dabei bezieht sich Picha nicht nur auf den Tarzan-Mythos, sondern zieht vielerlei politische, gesellschaftliche und natürlich Medien-typische Elemente durch den Kakao. Etwa wenn Schande Tim und Struppi begegnet, die gerade dabei sind, im Kongo zu missionieren. Oder als er eine Filmcrew mitten im Urwald aufstöbert und forciert, dass diese von wilden Tieren gefressen werden. Picha macht vor keinem Tabu halt und das hat ihm mit seinem Erstlings-Film einen gewissen Ruf eingebracht. Bitterbös´, sarkastisch und seiner Darstellung gewollt politisch unkorrekt führt er der westlichen Comic-Kultur vor Augen, wie rassistisch gerade die Darstellung von Ureinwohnern sich in den Comics breit gemacht hat. Ein echtes Problem damals, bei dem das Wort „zivilisiert“ von der westlichen Kultur für sich beansprucht wurde.

tar7Kein europäischer Regisseur war bis dato (1975) so dreist gewesen, ein frecheres Machwerk produzieren zu wollen, als Ralph Bakshi in seinen anarchischen Zeichentrickfilmen. Picha vollführt in jedem seiner Filme einen gekonnten Spagat aus skurillen Sketchen auf bösestem Mordillo-Niveau und einer pubertär-politisch unkorrekten Geschichte. Animation und Charakterdesign sind dabei krude und einfach und gleichzeitig in ihrer Vielfalt unglaublich kreativ. In jedem seiner Filme wendet Picha unglaublich viel Zeit auf, nicht nur die eigentliche Geschichte zu erzählen, sondern auch Randepisoden der Flora und Fauna darzustellen.

tar3In „Schande des Dschungels“ wusste er genau was er tat. Der Film hat in mehreren Ländern keine Altersfreigabe bekommen, war mehr als zwei Jahrzehnte in Deutschland nicht nur indiziert, sondern beschlagnahmt und in Neuseeland ist sein Besitz oder Konsum sogar strafbar! Mittlerweile haben die Damen und Herren von der Zensur Gnade walten lassen, wodurch der Film seit ein paar Jahren wieder offiziell in den deutschen DVD-Regalen zu haben ist!

tar2In Amerika wurde „Schande des Dschungels“ 1975 sogar für eine Oscar-Nominierung vorgeschlagen in der Kategorie „Bester internationaler Film“, zu der es allerdings mangels Stimmen nicht gekommen ist. Was verbleibt, ist der wahrscheinlich international bekannteste, wenn auch meiner Meinung nach nicht der beste Film von Picha. Ist die erste Hälfte des Films noch ein großes Gag-Feuerwerk verpufft gerade dieses tolle Potential leider ab der zweiten Hälfte des Films und walzt den Witz mit den Penis-Soldaten platt.

tar4Der Film sucht sein Publikum unter den Pubertären und Pubertierenden. Film-Freunde, die sich lediglich mit subtilerem Humor begnügen, werden den Humor Pichas verteufeln. Hingegen alle, die sich ein Stück pubertären Humors im Herzen bewahrt haben und sich noch an eine Zeit erinnern, in der jedes Loch und jeder längliche Gegenstand an Geschlechtsteile erinnerte, werden bei diesem Film voll auf ihre Kosten kommen. Versprochen!

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