Coonskin – „Onkel Bakshis Wunderland“ oder „Falsches Spiel mit Brother Rabbit“

Bild

In letzter Zeit kann ich nicht anders. Ich muss Euch einfach sämtliche Anarcho-Zeichentrickfilme vorstellen, die ich kenne. Wenn man einmal A sagt, muss man auch B sagen, oder besser gesagt C wie Coonskin, dem dritten Zeichentrickfilm für Erwachsene von Ralph Bakshi. Nachdem Ihr jetzt eine Vorstellung in Sachen „Fritz the Cat“ und „Heavy Traffic“ bekommen habt, erwartet Euch ein neuer Höhepunkt im verdorbenen Bakshi-Kosmos. Bild

Huch? Ist das etwa Soul-Legende Barry White? Ja, er ist es. Was dieses Bild hier verloren hat? Nun, Barry White spielt an der Seite von Philip Michael Thomas (Miami Vice) und Charles Gordone in den ersten 20 Minuten noch die Realfilmvorlage für das, was Coonskin später in gezeichneter Form aufarbeiten wird. Gordone spielt den fanatischen katholischen Prediger Fox, der während einer einsamen heiligen Messe von zwei Kindern gestört wird. Anschliessend trifft er sich mit Sampson um den besten Freund der beiden aus dem Knast zu befreien. Dieser ist bereits mit einem Komplizen über die Mauer geklettert und wartet auf Sampson und Prediger Fox. Um die Wartezeit zu verkürzen erzählt der Komplize des Entfliehenden diesem die Geschichte dreier Freunde, die vom ähnlichen Schlag waren: Brother Bear, Brother Fox und Brother Rabbit. Ab diesem Moment springt der Film ins animierte Umfeld und präsentiert dem Zuschauer die gezeichneten tierischen Pendants von White, Gordone und Thomas.

Bild

Deren Geschichte beginnt in einem Bordell, das gerade von einem Sheriff und seinem Deputy in die Mangel genommen wird. Als Brother Rabbit, den Sheriff darauf aufmerksam macht, dass dessen Tochter doch schliesslich auch vor Ort ihr Geld verdienen würde, eskaliert die Situation zu einer wilden Schiesserei mit mehreren Toten. Fox, Bear und Rabbit flüchten (wie sollte es anders sein) nach Harlem, wo sie bei einer revolutionären Bewegung Unterschlupf finden.

Bild

Die revolutionäre Gruppe entpuppt sich schnell als Sekte, worauf Rabbit die Mitglieder gegen das Oberhaupt aufhetzt. Nach dem Tod des Gurus übernimmt Rabbit selbst die Gruppe und wird zum mächtigsten Mann in Harlem. Allerdings gibt es da noch den korrupten Polizisten Mannigan, der Schutzgelder von Bordellen und Kasinos einnimmt. Als er Rabbit stellen will, gerät Manniganin einen LSD-Trip, wird schwarz geschminkt, in ein Frauenkleid gesteckt und zu einem Amoklauf gehetzt. Die eintreffende Polizei killt Mannigan.

Bild

Jetzt geht es richtig rund, denn Rabbit hat nun die Mafia gegen sich, die ihren Headhunter Sonny beauftragen, ihn umzulegen. Bei Sonnys Attentat gegen Rabbit geht jedoch jemand ganz anderes drauf!

„Coonskin“ von 1974 ist der dritte Film Ralph Bakshis. Nach „Fritz the Cat“ und „Starker Verkehr“ mussten die beiden Vorgänger noch getoppt werden. Und was soll ich sagen? Ralph Bakshi hat sich selbst übertroffen! Es gibt eine Realfilm-Rahmenhandlung ähnlich des Disney-Klassikers „Onkel Remus Wunderland“. Doch es ist quasi das dunkle Gegenstück zu Onkel Remus, denn alle vermenschlichten Tiere in dem Film sind böse, kriminell geprägt und durch und durch verdorben.

Bild

Bakshi hat in Coonskin weniger mit der Animation experimentiert, als noch in Heavy Traffic und das tut der Stringenz des Films mehr als gut. Dem Zuschauer wird eine klassische Gangstergeschichte geboten, die man durchaus als Vorläufer von Tarantinos Pul Fiction ansehen kann. Aber auch viele Elemente finden sich in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ wieder. Wir haben es also mit einem absolut stilbildenden Film zu tun, der die Welt des erwachsenen Zeichentrickfilms nachhaltig geprägt hat.

In keinem anderen seiner Filme kritisiert Bakshi dermaßen die amerikanische Gesellschaft. In „Miss America“ lässt er das gesamte Land personifiziert auftreten und visualisiert damit satirisch, wie stark die Rassendiskriminierung anno 1974 ihn berührte.

Bild

Bakshi, selbst gebürtiger Israeli, kann von Diskriminierung ein Lied singen und tut es metaphysisch in seinem Machwerk „Coonskin“. Der Film ist nicht so sexuell wie „Fritz the Cat“ und nicht so experimentell, wie „Heavy Traffic“, aber er hat die eindeutigste Botschaft innerhalb seiner ersten drei Filme, die man durchaus als 70s-Harlem-Trilogie verstehen kann. Demnächst erscheint der Film in Deutschland endlich auf DVD und ich rate jedem, dem diese Review gefallen hat, sich den Film jedenfalls zuzulegen!

Bild

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s