Stark! – Stärker! – Starker Verkehr! – Heavy Traffic!

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Nachdem er 1972 mit „Fritz the Cat“ seinen Mega-Erfolg feierte, musste Ralph Bakshi einfach noch einen draufsetzen. Der Zeichentrickfilm „Heavy Traffic„, zu deutsch „Starker Verkehr“, ist praktisch die eigentliche Fortsetzung der frechen Katers Fritz. Es ist allerdings eher eine Fortsetzung im Geiste. Erzählt wird die Geschichte des Underground-Comic-Zeichners Michael Corleone und seinem Weg sich als solcher zu etablieren. Bild

Carol ist Bardame. Carol hat eine Beziehung mit dem beinlosen Vietnam-Veteranen „Shorty“ und dennoch beginnt sie eine Affäre mit eben jenem Michael Corleone, 22 Jahre alt, Eltern Angelo (angehender Pate) und Ida (orthodoxe Jüdin). Und er, Michael, angehender Underground-Comic-Zeichner. Er hat es nicht leicht, jener Michael, in Harlem lebend. Ständig muss er den Streitereien seiner Eltern beiwohnen; meist geht es um Frauengeschichten. „Flip, Kick, die City kippt, alles im Arsch!“ kommentiert er seine Lebenssituation bissig während einer Flipper-Runde. Egal was Michael tut, er wird einfach nicht zufrieden.

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Während sein Vater Angelo mit einem Transsexuellen fast ein Tètè-a-Tètè beginnt, stößt sich Michael die Hörner auf dem Hausdach ab: Auf einer schäbigen Matratze mit einem naiven, rothaarigen jungen Ding. Schliesslich muss er Carol glücklich machen können. Angelo hingegen  trifft einen Folgenschweren Entschluß: Sein Sohn Michael muss sterben, weil er sich mit der dunkelhäutigen Carol abgibt; eine Schande für den Ur-italienischen Mafiosi. Also setzt er den beinlosen Shorty auf seinen eigenen Sohn an.

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Michael versucht derweil seinen Debüt-Comic an einen alternden Verleger an den Mann zu bringen. Eine tolle Geschichte über Gott, Helden und die Macht des Geschlechtsverkehrs. Doch sie hat lediglich den Tod des Verlegers zu Folge. Also fassen Michael und Carol den Entschluß, nach Chicago zu gehen und in den Nachtclubs das große Geld zu machen. Sie steigen groß ins Rotlicht-Gewerbe ein, aber Michaels Eifersucht macht dem großen Geld einen Strich durch die Rechnung. Der erste Kunde verstirbt an einem Herzinfarkt und den zweiten Kunden Carols erschlägt er mit einem Stahlrohr. Schliesslich wird Michael von Shorty erschossen.

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Ralph Bakshi hat sich in Heavy Traffic ausgetobt, was das Zeug hält. Durch den Erfolg von „Fritz the Cat“ hatte er ein Standbein in Hollywood und so erwartete man seinen zweiten Zeichentrickfilm für Erwachsene gespannt. Diesmal ohne Comic-Vorlage erzählt Bakshi die Geschichte eines Underground-Zeichners der zu einer New Yorker Familie mit Einfluß zählt. Und trotz dieses Einflußes ist Michael nicht fähig, das zu bekommen oder zu werden, was er gerne sein möchte….Die Geschichte ist um Längen komplexer als es die haarsträubenden Episoden auf Kater Fritzens Odyssee gewesen sind. Jedes Familienmitglied wird eingehend charakterisiert und beleuchtet. Bakshi spielt in dem Film mit den Möglichkeiten des Mediums Zeichentrickfilm. Ob klassische oder fragmentarische Animation, ja gar Rotoskopie oder die Integration von Schauspielern in die gezeichnete Welt und gezeichnete Figuren in reale Schauplätze definieren die Handschrift von Ralph Bakshi für seine noch kommenden Filme.

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Der Film ist zeichnerisch ein wahres Feuerwerk für Freunde der gehobenen Animationskost. Alles wirkt zwar unausgegoren, ekig und kantig, aber dabei doch mit soviel Liebe zum Detail und den agierenden Figuren, dass man vor der realisierten Arbeit  in Heavy Traffic freilich den Hut ziehen muss.  Als Freund der erwachsenen Animation kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass man einen Zeichentrickfilm für Erwachsene noch ausgereifter präsentieren kann. Und dennoch hat Bakshi mit seinen noch kommenden Filmen gezeigt: „Ich kanns sogar noch besser“.

Dennoch lässt sich Heavy Traffic Genre-technisch nicht zuordnen, was eine klare Empfehlung auch hier schwierig macht. Und trotzdem sollte dieser Film bei einer guten Flasche Wein zelebriert werden. Denn er ist etwas ganz besonderes!

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