Rätsel um Mysteriöse Maskierungen!

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Eine spannende Geschichte erhält eine meiner Meinung nach unglaubliche Bereicherung, wenn ein mysteriöser, maskierter Charakter auftaucht und den Zuschauer oder Leser vor ein Rätsel stellt. Haben wir den Maskierten vielleicht bereits ohne Maske gesehen und wissen es nicht einmal? Hier haben wir das beste Beispiel: Darth Vader. Als im Jahr 1977 „Star Wars Episode IV –  A new Hope“ ins Kino kam, bekamen die Zuschauer ein großes Rätsel vorgesetzt. „Wer ist dieser maskierte Bösewicht, der das Imperium anführt, und sich selbst Darth Vader nennt?“. Es ist das populärste Beispiel dafür, was eine Maskierung beim Medienkonsumenten bewirken kann. Doch Darth Vader ist nur einer von vielen (und bei weitem nicht der erste) Bösewicht in der Geschichte der Medien. Lasst mich Euch ein paar der interessantesten maskierten Charaktere vorstellen. Bild

Das erste Mal, das ich einen maskierten Charakter in einem Film erlebte, ist gefühlsmäßig, als ich im Alter von 7 Jahren zum ersten Mal die Fantomas-Trilogie mit Louis De Funés gesehen habe. Die graue Maske von Fantomas faszinierte mich. Sie war undefinierbar. Fantomas ist in der Krimi-Komödien-Trilogie der selbsternannte größte Verbrecher der Welt: Er bekommt alles, was er haben möchte. Er nimmt sich, was er braucht. Er nimmt mittels Maskierungen die Identität verschiedener Personen an. Und er führt mittels Maskierung alle an der Nase herum, allen voran, Kommisar Júve. Fantomas ist ein Mensch, aber er ist nie ohne seine Maske zu sehen. Die Maske lässt ihn wie einen Ausserdischen oder Unterirdischen wirken; geradezu unmenschlich. Und die Faszination der Trilogie liegt darin begründet, dass sie dem Zuschauer gegenüber nicht auflöst, wer letztendlich hinter der Maske von Fantomas steckt.

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Die zweite faszinierende Maske, die mir in einem Film begegnete, war die Maske des Wesirs in „Sindbads gefährliche Abenteuer“. Sein Gesicht wurde durch den Magier Koura entstellt; aus Narzismus und Ehrgefühl begann er eine Maske zu tragen. Bis zum Ende des Filmes stellt sich dem Zuschauer die Frage, wie der Wesir wohl vorher ausgesehen hat und möglicherweise bekommt man am Ende gar eine Antwort darauf.

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Eine offenbar einfache Maskierung trägt der „Dieb der tausend Jahre“ in der japanischen Zeichentrickserie „Die Königin der der Tausend Jahre“. Im Jahr 1999 kündigt er die Vorboten einer globalen Katastrophe an und behauptet von sich selbst, Retter der Menschheit werden zu können. Doch ist er, wer er vorgibt zu sein? Warum sollte man einem mysteriösen Maskierten vertrauen? In der Mitte der Serie kommt es schliesslich zu einer fantastischen Kehrtwendung, während der Demaskierung des Diebes der Tausend Jahre. An dieser Stelle sei natürlich nichts verraten, aber der Moment zieht einem die Socken aus und ist meiner Meinung nach der absolute Höhepunkt der Serie.

mask10Wenn wir in der Welt der japanischen Medien bleiben, möchte ich auf die wahrscheinlich beste Geschichte um ein Masken-Mysterium hinweisen: 20th Century Boys, einer 24-bändigen Comic-Reihe von Naoki Urasawa. Die Geschichte wurde in 3 abendfüllenden Spielfilmen verfilmt. Die Geschichte ist ein nostalgisch angehauchter Thriller voller Referenzen an die japanische Comic-Kultur. Eine Sekte mit absurden Glaubensinalten möchte die Macht in der Regierung an sich reissen, angeführt werden sie von einem maskierten Oberhaupt, das sich „Der Freund“ nennt. Der Clou an der Geschichte ist, dass Kenji, einfacher Angestellter eines Convenience-Stores herausfindet, dass die Pläne des Freundes mit einer Geschichte übereinstimmen, die er sich als Kind mit seinem Freunden in den 1960er Jahren ausgedacht hat. Ergo muss der „Freund“ einer von Kenjis ehemaligen Kindheitsfreunden sein. Von der ersten bis zur letzten Seite fesselt die Geschichte um die Frage, wer eigentlich hinter des Maske steckt.

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Japan glorifiziert schon seit vielen Jahrzehnten das Lucha Libre, das traditionelle mexikanische Wrestling, dessen Kämpfer ihre Identitäten hinter Masken verbergen und ihre Gegner zu demaskieren versuchen. Einige japanische Zeichentrickserien beschäftigen sich mit Wrestling und so ist es nicht verwunderlich, dass ein japanischer Wrestler, der sich „Skull Reaper A-ji“ nennt, ins Parlament gewählt wurde. Maskiert und ohne seine Identität preiszugeben, aber mit einem ausgefeilten Parteiprogramm in der Tasche.

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Machen wir aber noch einen Schlenker zurück zu den amerikanischen Medien. Als 1994 die meiner Meinung nach beste Spiderman-Zeichentrickserie anlief, waren die Erwartungen hoch. In der ersten von fünf Staffeln trat in der Doppelfolge „Der Hobgoblin“ nicht etwa der grüne Gnom auf den Plan, dessen Identität als Norman Osborne von Anfang an bekannt war, sondern ein ähnlich aussehender Antagonist, der Hobgoblin, dessen Demaskierung noch 2 Jahre auf sich warten lassen sollte. Und genau dieser Aspekt ist ungewöhnlich, vor allem für „New Spiderman“, einer Serie, bei der jedem Bösewicht (ausser dem Schocker und Rhino) direkt eine Hintergrundgeschichte im Sinne von „Wie wurde er, was er ist“ spendiert. Der Hobgoblin hingegen ist von Anfang an als geheimnisumwitterte Figur eingeführt worden, bei der man als Zuschauer nicht damit rechnete überhaupt eine Antwort auf dessen Identität zu erhalten. Wie gesagt: Man bekommt sie aber und wird mit einem sehr überraschenden Ergebnis überrascht.

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„Die Legende von Korra“ wurde als Spin-Off zu „Avatar – Herr der Elemente“ konzipiert, einer amerikanischen Zeichentrickserie, die eine sehr eigene schamanistische Mythologie etabliert gepaart mit Zeichentechniken, die sich nicht davor versteckten, an den japanischen Traditionen orientiert zu sein. In der ersten Staffel von „Die Legende von Korra“ taucht der maskierte Amon auf, der die Fähigkeiten von Elementbändigern neutralisieren kann. Die Maskerade Amons ist großartig und mysteriös, allerdings kommt bei seiner Demaskierung kein Aha-Effekt auf. Nicht jedes Masken-Mysterium hat folglich eine Überraschung am Ende zur Folge.

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Weit überraschender ist die Auflösung am Ende von „Donnie Darko“ um die Demaskierung des imaginären Freundes Frank; denn hinter seiner grotesken Hasenmaske befindet sich ebenfalls das Gesicht eines Unbekannten. Viel interessanter ist allerdings die Auflösung dessen, WARUM, jener Frank ausgerechnet dieses Kostüm und diese Maske trug. Das Maskenelement ist also das selbe wie in den vorigen Beispielen, inklusive Demaskierung, aber es wird vollkommen anders eingesetzt, weil letztendlich der Zusammenhang der Maske mit den Geschehnissen viel relevanter ist, als die Tatsache, wer dahinter steckt.

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Abschliessend noch ein mehr oder weniger klassisches Beispiel für eine Maskierung. Der Film „Scream“ führte 1996 das Genre der Horror-Filme durch unzählige Selbstreferenzen ad absurdum, und belebte die Slasher-Idee neu. Viele ähnliche Filme wurden in seinem Kielwasser produziert, auch wenn keiner davon die Originalität des ersten Scream-Filmes erreichen konnte. Wir haben es mit einem Killer zu tun, der auf Horrorfilme steht, mit seinen Opfern Quizrunden veranstaltet und sie mit einer Maskierung umgibt, die Edvard Munchs Gemälde „Der Schrei“ entsprungen zu  sein scheint. Die Auflösung am Ende des Films überrascht wie kaum eine andere. Und der Narzissmus der Mordmotive fügt sich perfekt ins Geschehen ein.

Diese Auflistung war alles andere als eine Top Ten, denn wie der geneigte Leser gesehen hat, waren durchaus auch ein paar neutrale bis kritische Stimmen zum Thema. Das Thema „Maskierung“ ist in meinen Medienerlebnissen eines, dem ich sehr gerne begegne. Deswegen wollte ich ein paar meiner bisherigen Highlights näher beleuchten.

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