Einer noch… : Cyborg 009 – Die Legende der Supergalaxie

BildSchon wieder ein Anime? Und was ist das überhaupt für ein bekloppter Titel: „Die Legende der Supergalaxy“. Nun, das ist nicht der Titel der deutschen Fassung, sondern frei übersetzt aus dem japanischen. Ob man es glaubt oder nicht, in Deutschland ist der Titel des Films noch käsiger. Zweigeteilt ist „Raumstation Cyborg 009“ (Man bedenke, dass 009 eine Person und kein Ort ist) und „Gefährlicher Countdown für Cyborg 009“. Klingt scheisse? Ja! Ist der Film aber scheisse? Bild

Keine Angst! Ich tische Euch doch keine Scheiss-Filme auf! Warum sollte ich auch. Ich will nicht über trashigen Mist sprechen, durch den ich mich regelrecht durchgequält habe. Zu dem Thema gibt es bereits genug Blogs und Webseiten. Nein, Kinder, bei mir bekommt Ihr wahre Geheimtipps aufgetischt. Filme, die keiner kennt, aber die dennoch super sind. Science Fiction in Kombination mit Zeichentrick ist eine absolute Passion von mir. Grund dafür ist, dass ich bestimmte Filme genau zur richtigen Zeit und im richtigen Alter gesehen habe. Neulich schrieb ich: „Wer Herrscher der Zeit erwähnt muss auch Hi no Tori 2772 erwähnen.“, doch nachdem ich den Artikel publizierte und danach las, stellte ich fest, dass es noch ein paar weitere Filme dieser Art gibt, die nicht unerwähnt bleiben dürfen. Ja, ich versuche mich mit Anime zurückzuhalten, aber DIESEN muss ich einfach noch erwähnen….

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Als ich diesen Film 1986 gesehen habe, war ich ein wenig verwirrt. Ich hatte schon als Kind das Gefühl hier den zweiten oder dritten Teil einer Filmreihe zu sehen. Was ich als Kind nicht wusste, ist, dass „Cyborg 009“ von Shotaro Ishinomori als einer der Anime- und Manga-Klassiker schlechthin in Japan gilt. Bereits in den 60ern lief die erste Verfilmung als Schwarz-Weiss-Produktion im japanischen Fernsehen und war so erfolgreich, dass sie 1979 ein Serien-Remake in Farbe bekommen hat. In sowohl der einen, als auch der anderen Serie geht es um eine Gruppe von Menschen aus aller Welt, die gegen ihren Willen von der Black Ghost-Organisation zu Cyborgs umgebaut und ihrer Identität beraubt worden sind. 001 ist ein Baby mit telepathischen Fähigkeiten, 002 kann mit seinen Raketenschuhen fliegen, 003 die einzige Frau des Teams mit einzigartigem Gehör, 004 dessen Körper ein einziges Waffenarsenal ist, 005 hat einen stählernen Körper, 006 spuckt und wirft Feuerbälle, 007 ist Gestaltwandler, 008 hat die Reflexe jedes beliebigen Tieres und 009, die Hauptperson kann mittels eines Knopfs im Zahn die Zeit anhalten. Jede dieser Figuren hat ausserdem einen Namen aus der Zeit vor der Vercyberung und eine eigene Hintergrundgeschichte.

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Abschliessend zur TV-Serie von 1979 kam dann jener Film „Die Legende der Supergalaxie“ in die japanischen Kinos und spendierte den inkognito lebenden Cyborgs ein atemberaubendes Finale. Und genau dieser Film wurde in Deutschland auf VHS und später auf DVD veröffentlicht. Doch der Film erklärt dem Zuschauer der die Serie nicht kennt, rein gar nichts. Weder die Fähigkeiten, die wahre Namen, noch die Hintergrundgeschichten der Cyborgs werden im Einzelnen erklärt, stattdessen erwähnt die deutsche Dialogregie, dass die Cyborgs auf der Erde als Menschen getarnt lebende Ausserirdische seien. Ich habe das als Kind akzeptiert, aber dennoch fühlte ich mich ein wenig abgespeist.

BildZu Anfang des Films überschlagen sich die Ereignisse. Raumstationen im Orbit der Erde werden von feindlichen Raumschiffen angegriffen, kurz darauf manifestiert sich Garo, der Herold von ZOA holografisch in der Raumüberwachungszentrale und bedroht die Menschheit und ein leuchtendes Raumschiff landet eines Nachts vor der Küste Tokios im Meer. Doctor Gilmore, ein alter Freund der Cyborgs ruft selbige zusammen um das im Meer liegende Raumschiff zu infiltrieren. Doch an Bord finden die Cyborgs nicht etwa die feindlichen Invasoren von ZOA vor, sondern einen kleinen ausserirdischen Jungen namens Saaba, der der letzte Überlebende vom Planeten Kommodar ist. Mit Ausnahme seines Vaters, der von ZOA entführt wurde…

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9 Wissenschaftler waren eigentlich an Bord des Schiffs gewesen, doch sie sind alle tot. Der Planet Kommodar wurde von ZOA entvölkert. Um das Schiff zu steuern sind also 9 weitere Personen notwendig – Großartig! Die Cyborgs sind ja auch genau 9! In einer atemberaubenden Startsequenz begeben sich die Cyborgs mit Saaba in den Weltraum. Ziel ist der Planet Gades, Heimat von ZOA. Schon kurz nach Verlassen des Sonnensystems kommt es zum ersten Zusammenstoß mit verminten Asteroiden und einem Mutterschiff von ZOA. Doch all jene Hindernisse werden überwunden und ein Wurmloch durchflogen um den Weg abzukürzen. Kurz darauf ereilt die Cyborgs ein Hilferuf von einem seltsamen Planeten. Man landet und findet eine verwüstete Welt vor, bevölkert von feindseligen, degenerierten Menschen deren Herrscherin Tamara von dem riesenhaften Wesen Roduk gefangengehalten wird. Tamara erzählt den Cyborgs, dass ZOA ihre Welt verwüstet hat.

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009 wird nach der Befreiung Tamaras von ihr vor die Wahl gestellt, ob er seine Mission weiterverfolgen will, oder mit ihr den Planeten wieder aufbaut. Da tauchen am Himmel wieder die Schiffe ZOAs auf und verwüsten den Planeten Tamaras vollständig. Den Cyborgs und Saaba beginnt der Kragen zu platzen und sie begeben sich nach der Beerdigung Tamaras auf das letzte Stück des Weges um ZOA ein für alle Mal in den Arsch zu treten…

„Die Legende der Supergalaxie“ ist ein waschechtes Science Fiction-Epos. Unabhängig davon, ob man die dazugehörige vorangegangene Serie kennt, weiss der Film als eigenständiges Abenteuer zu überzeugen. Der Film umfasst eine große Bandbreite aus Humor, Philosophie und Dramatik. Vor allem das Finale des Films ist überraschend und sorgt für Gänsehaut pur.

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Die Animationen im Film sind ordentlich inszeniert und stehen anderen zeitgleichen Produktionen in nichts nach. Zwar geistern im Netz ein paar unangenehme Reviews herum, in denen die Animation und das Charakterdesign mit „Captain Future“ verglichen wird, doch dies sind einfach nur abwegig, wenn man wirklich mal beides miteinander vergleicht. „Die Legende der Supergalaxie“ ist immerhin ein waschechter Kinofilm und auf dem Standard eines solchen. Das erwähnte Charakterdesign ist absolut genial. Jeder Cyborg legt optisch und charakterlich eine völlig eigene Note hin. Die Musik des Films ist geprägt vom Synthie-Sound von Kitaro.  Die Hintergründe sind wunderbar bunt und farbenfroh in Szene gesetzt. Der Film hielt mit seiner Fülle an Handlung offenbar eine gute Basis für den deutschen VHS-Publisher Mike Hunter Home Video bereit, um ihn in zwei Teilen zu veröffentlichen. Somit endet die erste Hälfte „Raumstation Cyborg 009“ mit einem spannenden Cliffhanger und der Ansage „Wenn Sie wissen wollen, wie das spannende Abenteuer der Cyborgs weitergeht, sollten sie sich Der Gefährliche Countdown für Cyborg 009 nicht entgehen lassen“.

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Dementsprechend startet die zweite Hälfte des Films „Gefährlicher Countdown für Cyborg 009“ mit einer prinzipiell überflüssigen 15-minütigen Rückschau. Der Film geriet in Vergessenheit, obwohl er mehrmals bei RTL gezeigt wurde und auf VHS mindestens noch in 2 weiteren Fassungen zerteilt erschien. Unglaublicherweise erschien der Film 2004 zerteilt auf zwei DVDs, deren Kauf ich unbedingt empfehlen möchte.

Ich habe nämlich noch nichts über die geniale deutsche Synchro gesagt. Zwar ist die Dialogregie etwas seltsam: Wen wunderts; Die dazugehörige vorangegangene Serie ist in Deutchland nie gelaufen, also musste man die Cyborgs als Ausserirdische deklarieren. Überhaupt wird das Wort „Cyborg“ nicht Sei-Borg gesprochen sondern Tsü-Borg. Befremdlich auch, dass sich die Übersetzer wohl nicht darüber einig waren, ob „Doktor Cosmo“ nun Saabas Vater oder Doktor Gilmores Kollege ist. Und trotz dieser Schnitzer in der Dialogregie sei die deutsche Synchro gelobt!

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Alles was in Deutschland in den 80ern synchron-technisch Rang und Namen hatte, tauchte hier als Synchronsprecher auf. Die Sprecher von Bruce Willis, Kermit dem Frosch, Ernie, Mister Spock und Darth Vader gaben sich hier die Ehre und verewigten sich gemeinsam in einem wirklich tollen Zeichentrickfilm. Ja, wahrscheinlich gibt es keinen anderen Zeichentrickfilm, in der man eine derart breite Riege an Sprechern hat. „Space Firebird“ hat noch kein DVD Release spendiert bekommen, aber „Cyborg 009“ schon! Daher unbedingt bei Amazon vorbeischauen und zugreifen, wenn Euch die Review angesprochen hat.

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Abschliessend möchte ich noch darauf aufmerksam machen, dass die Geschichte der Cyborgs mit „Die Legende der Supergalaxie“ nicht endete. Im Jahr 2001 gab es eine weitere 52-teilige Anime-Serie (das mittlerweile zweite Remake). Wenn man nun glaubt 2001 wäre schon lange her, möchte ich erwähnen, dass 2013 mit „Re:Cyborg 009“ ein moderner CGI-Film um den Kampf gegen Black Ghost erschienen ist.

BildBildDie Legende ist also nicht totzukriegen!

2 Gedanken zu „Einer noch… : Cyborg 009 – Die Legende der Supergalaxie

  1. Toller Artikel, wirklich zutreffend und sehr schön beschrieben😀
    Habe den Film, bzw. die Filme das erste mal mit 6 Jahren gesehen und bin heute noch ein großer Fan von Cyborg 009. Die Fangemeinde in Deutschland scheint aber aüßerst gering zu sein.

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