„Stephen King´s The Stand“ = „Steffen Königs Ständer“? Nicht doch!

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Vielmehr kann man „The Stand“ als Stephen Kings „Herr der Ringe“ bezeichnen. 1227 Seiten umfasst Stephen Kings Buch von 1978. Das Ganze wurde dann innerhalb von fast 6 Stunden im Jahre 1994 für das TV verfilmt. Ob das Epos heute noch wirkt? Stephen King ist schon einer der überschätztesten Autoren unserer Zeit. Bei vielen seiner Bücher besteht bei mir gar Zweifel, ob er sie selbst geschrieben hat. Es finden sich darunter großartige Werke wie „Sie“ oder „Es“, aber auch ziemlich obskure Geschichten wie „Langoliers“ oder die makabre Kurzgeschichtensammlung „Popsy“. Selten scheiden sich die Geister und Gemüter an einem Autor so sehr, wie an Stephen King. Man kann gerade zu Beginn einer Geschichte kaum voraussehen, ob man möglicherweise ein interessantes Werk beim Abschliessen der Lektüre hinter sich haben wird, oder eben ganz großen Käse.

day-29-stephen-kingNoch zwiegespaltener wird der Gesamteindruck, wenn man sich die Verfilmungen seiner Werke anschaut, da diese qualitativ schwanken zwischen Hollywood-Blockbustern wie „Die Verurteilten“ oder „The Green Mile“ (von Stanley Kubricks „Shining“ ganz zu schweigen) und billigst produzierten TV-Produktion a la „Tommyknockers„, „Langoliers“ oder „Der Sturm des Jahrtausends“. Wie ist es möglich, dass ein kreativer Kopf gleichermaßen soviel anspruchsvolle Geschichten produziert, wie auch einfach nur pure Scheisse? Noch dünnschissiger wird es in der Regel, wenn Stephen King bei den Verfilmungen selbst Hand anlegt, wie bei der ersten Verfilmung von „Truckers“.

stephenDrollig hingegen wird es, wenn der äusserst fotogene King sich die Ehre gibt, sogar in seinen Verfilmungen am Rande aufzutauchen. Welche Anmut! Welch schauspielerisches Talent! Ja, welches eigentlich?

Gut, will ich mal nicht zu hart über ihn herziehen. Ehre, wem Ehre gebührt. Schliesslich soll es ja jetzt um die Verfilmung von „The Stand“ gehen, jenem Roman von 1978, der thematisch seinen Zyklus vom „Dunklen Turm“ einläuten sollte. Die Verfilmung liess immerhin 16 Jahre auf sich warten und wurde im kleinen Stil für das amerikanische TV umgesetzt, in Form einer Mini-Serie von 4 Episoden in Spielfilm-Länge. Glücklicherweise hat King selbst nur das Drehbuch geschrieben, wohingegen Mick Garris die Regie übernommen hat.

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Die Serie beginnt damit, dass in einem Forschungslabor ein hochagressiver Grippevirus ausbricht und durch die darauf folgende Flucht von Wachmann nebst Familie der Virus quer durch die vereinigten Staaten getragen wird. Es wird damit begonnen den Ort, wo jener Wachmann schlussendlich an dem Virus verendet, komplett zu evakuieren und die Bewohner sicherheitshalber wegzuschliessen. Schlussendlich überlebt nur ein einziger der Evakuierten, Stewart Redman, dessen Immunität nun panisch von den Forschern beobachtet und untersucht wird.

the stand 5In New York hat Larry Underwood eine Menge an Schulden gesammelt, hat aber auch gleichzeitig seinen Song „Baby can you dig your Man“ in den Charts platziert. Als er seine Mutter besucht, erkrankt diese an dem Grippevirus und stirbt nach kurzer Zeit. In der Zwischenzeit beginnt in New York das Chaos auszubrechen, denn immer mehr Menschen erkranken und sterben an dem Virus. Larry sitzt die Situation im Haus seiner Mutter aus und träumt derweil von der 106-jährigen Abigail Freemantle aus Alabama, die ihn zu sich ruft. Daraufhin beginnt für Larry eine Odyssee durchs ausgestorbene New York…the stand 9Abigail Freemantle beginnt alle Leute, die immun gegen das Virus sind, zu sich zu rufen und über die Traumebene zu kontaktieren. Doch gleichzeitig erscheint den Träumenden im selbigen Traum auch immer ein unheimlicher Mann, der im Kornfeld steht und sie einzuschüchtern versucht. Dieser Mann ist Randall Flagg, der im Gegensatz zu der christlichen Abigail ganz andere Ziele verfolgt…

the stand 1Denn Randall Flagg sucht in Gestalt eines Raben mehrere seiner Auserwählten auf: allesamt Schwerverbrecher oder Psychopathen. Mit ihnen will er ein eigenes Königreich in Las Vegas gründen, welche das Zentrum seiner Schreckensherrschaft einläuten soll.

the stand 10Auch der taubstumme Nick wird nach einem gewalttätigen Überfall im Traum von Mutter Abigail aufgesucht. Auch er macht sich auf die Reise nach Alabama und findet kurz darauf jemanden, der ihn begleitet in Gestalt des geistig behinderten Tom Cullen, der eine Reihe schrulliger Eigenarten besitzt, allen voran die Behauptung JEDES Wort würde M-O-N-D buchstabiert.

the stand 7Auch schwangere Frannie Goldsmith hat es nicht leicht. Nachdem ihr Vater an dem Grippevirus gestorben ist, muss die junge Frau mit ihrem Verehrer Harold Lauder sich auf die gefährliche Reise nach Alabama begeben. Unterwegs trifft sie auf Steward, der mittlerweile unter schwersten Strapazen aus dem Versuchlabor entkommen ist.

Letztendlich erreichen alle zur Halbzeit entweder Mutter Abigail oder Randall Flagg. Und dies ist schliesslich der Beginn für „The Stand – Das letzte Gefecht“….

the stand 4Ok, wir haben es hier mit einer soliden Mini-Serie zu tun, die noch in der ersten Hälfte der 90er entstamden ist. Sie ist spannend, dramatisch, gruselig, fantastisch und stellenweise patriotisch. Wie aus meiner Beschreibung ersichtlich gibt es einen großen Cast, und mit dem Zusammentreffen der Charaktere auch viele Wendungen, Zusammenkünfte, Streitigkeiten, Auseinandersetzungen und Beziehungsfindungen. Nicht jeder der immunen Charaktere wird das Ende überleben, aber alle halten den Zuschauer immerhin von der ersten bis zur letzten Minute in Atem. In der Einleitung schrieb ich, dass es sich bei „The Stand“ um Stephen Kings „Herr der Ringe“ handelt. Das ist spätestens in der 2ten Häfte der Serie spürbar, wenn sich eine handvoll aufmachen, den Plan eines Wahnsinnigen und seiner ganzen Armee zu stoppen. Auch Figuren wie Nick Andros und Tom Cullen wirken auf ihrer Queste Mutter Abigail zu finden, wie naive Varianten der Hobbits Frodo und Sam. Das Zusammentreffen bei Mutter Abigail und das Schmieden der verzweifelten Plans Flagg zu stoppen erinnern an das Zusammentreffen in Elronds Haus.

the stand 3Man könnte noch mehrere Paralellen aufzählen, aber ich will Euch damit nicht ermüden. Fakt ist, dass es sich zwar nicht um die qualitativ hochwertigste filmische Umsetzung eines King-Romans handelt, geschweige denn den besten King-Roman, der sich umsetzen liesse. Dennoch ist das was umgesetzt worden ist überzeugend. Wir haben einen großen Cast an mehr oder weniger bekannten Schauspielern und eine spannende, größtenteils unvorhersehbare Handlung. Zudem gibt es die versprochenen Cameo-Auftritte von Stephen King selbst, die für gemischte Gefühle sorgen.

the stand 8Dennoch hat der Zahn der Zeit an der Produktion genagt. Die wenigen Spezial-Effekte erklären das unbegreifbare, die Traumsequenzen wirken künstlich-inszeniert und ein paar wenige CGI-Effekte lassen ein Gähnen aufkommen. Die Szenen von Entvölkerung, Tod, Erkrankung hingegen wirken glaubhaft und erschreckend. Es passt alles wunderbar zusammen und weiss noch heute zu unterhalten. Gerade in heutiger Zeit erlebt das Genre des Horrors in der TV-Serie eine Renaissance mit Produktionen wie „True Blood“, „The Walking Dead“ oder „American Horror Story“. Dagegen kann ein „The Stand“ nicht anstinken, aber es hat das Interesse für dieses Genre mit ermöglicht. Nichtsdestotrotz lässt ein Blick auf „The Stand“ daran erinnern, dass es bereits vor 20 Jahren ambitionierte Produktionen dieser Art gab. „The Stand“ ist zumindest als TV-Produktion wegweisend und abwechslungsreich. Es gibt vor allem eine Ahnung darüber, wie eine auf den Kern der Handlung reduzierte TV-Serie zum Herr der Ringe hätte aussehen können. Ich empfehle „The Stand“ allen, die den TV-Charme der 90er lieben, aber auch jenen, die eine ungewöhnliche Fernseh-Produktion sehen wollen, die sich nicht auf ein Genre festlegen lässt. „The Stand“ ist weder Horror, noch Katastrophenfilm, noch Fantasy noch Drama und trotzdem irgendwie doch alles zusammen. Vor allem ist die Produktion innerhalb von 4 Abenden geschaut und die wird man garantiert gut unterhalten.

 

 

 

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