Was mich so richtig gruselt…. – Ein Bekenntnis

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Der Horrorfilm und seine Inhalte haben sich im Laufe der letzten 100 Jahre gewandelt.

Waren es in der Stummfilm-Ära noch Vampire, in der Tonfilm-Ära allerhand skurille Monster, mit dem Einzug des Farbfilms die Zombie-Wellen, in den 80ern und 90ern die Slasher-Filme, sind wir seit dem Jahr 2000 filmisch mit dem furchtbarsten Monster aller Zeiten konfrontiert: Dem Menschen! Unabhängig von dieser Entwicklung habe 2 eigene Angst-Faktoren, zu denen ich mich jetzt bekennen möchte….Bild

Eine Urangst von mir hängt mit unheimlichen älteren Frauen zusammen. Nur damit es niemand falsch versteht: Ich habe zwei wirklich total liebe Omas, die mir nie ein Haar gekrümmt haben. Aber nichtsdestotrotz sind es in meinen frühen kindlichen Alpträumen häufig alte Frauen, vor denen ich Angst hatte und noch immer Angst habe.

Möglicherweise hat es etwas mit Märchen zu tun. Die Hexe im klassischen wie modernen Sinne ist für mich eine widerliche Vorstellung. Eine alte Frau, die anfangs nett tut, sich im Verlauf als Menschenfleisch-essendes Monster entpuppt. Wie oft wurde ich in Alpträumen von bösen Frauen in Brunnen gezogen oder in dunklen Kellern gejagt. Ich weiss nicht wieso, aber mir jagen diese faltigen Gesichter mit schütterem Haar und fehlenden Zähnen eine Heidenangst ein.

BildDiese Angst ist völlig irrational. Mal im Ernst: Was könnte einem eine alte schwache Frau schon antun können, selbst wenn sie wollte? Sie hätte nicht mal die Kraft dazu. Aber angenommen, sie hätte es, würde sie garantiert jedem eine Todesangst einjagen können. Ich kann mich noch gut an meinen Zivildienst im Altenheim erinnern. Da gab es einige sehr unheimlich aussehende Frauen. Aber das Aussehen alleine ist sekundär. Das unheimliche Benehmen ist das Schlimmere!

Viele haben ein Trauma von dem aus heutiger Sicht zugegebenermaßen harmlosen TV-Film „Es“. Der Ruf des Films ist schlimmer als der Film selbst.  Die meisten gruselten sich wohl vor Pennywise, dem Clown. Und mein größtes Gruselerlebnis ist die Szene, in der Beverly zum Tee bei dieser alten Frau ist:

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FUCK! Die Alte geht echt gar nicht!

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So, jetzt wisst Ihr es! Aber das war noch nicht alles! Die zweite Sache, vor der ich unheimliches Gruseln kriege, sind……

Atombombenabwürfe!

Ja, ich weiss: Es sind ja bislang „nur“ zwei Atombomben geworfen worden. Und dennoch habe ich meine Kindheit in der Endphase des kalten Kriegs verlebt. Atombomben waren auf dem Schulhof und am Küchentisch Thema. Und noch schlimmer: Sogar vor TV-Unterhaltung machten sie nicht halt.Klar, es gibt einen Haufen unterhaltsamer Endzeitfilme, die nach atomaren Kriegen spielen. Allerdings ist es nicht das, was mich gruselt, sondern vielmehr das menschliche Drama. Einen Abwurf überleben, verstrahlt werden und dann langsam dahinsiechen….furchtbar.

„The Day After“ ist aus heutiger Sicht noch ein verhältnismäßig harmloser Film. Durch die amerikanischen Stereotypen wirkt das Endergebnis als wäre ein Atombombenabwurf im „Denver Clan“ behandelt worden.

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Und dennoch! Wer sagt, dass die Explosions-Sequenzen in dem Film ihn völlig kaltlassen, lügt gewaltig. Das sind Szenen, die einfach nicht aus dem Kopf zu bekommen sind. Würden wir sie jemals in Wirklichkeit sehen, wäre die beste Möglichkeit damit fertig zu werden, sich umzubringen, statt weiterzuleben. Wie oft habe ich mich ebenfalls in Alpträumen vor solchen Katastrophen versucht in U-Bahnschächten oder Kellern zu verrammeln, darum wissend, dass ich trotz meines Überlebens verseucht werde. Das Gefühl ist grauenhaft.

Einen maßgeblichen Beitrag zu dieser Angst habe ich vor allem dem Film „Wenn der Wind weht“ zu verdanken, der Ende der 80er im Nachmittagsprogramm gesendet wurde. Völlig auf das Thema unvorbereitet sah ich in diesem Zeichentrickfilm ein sympathisches Ehepaar (die glatt meine Großeltern sein könnten), die eine atomare Katastrophe überleben aber am Ende an der Strahlung erkranken und sterben.

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Dieser Film geht nicht nur unter die Haut, er frisst sich darunter praktisch fest. Die Bilder des Films sind, umso jünger man beim Betrachten war, nicht mehr wegzudenken. Paradoxerweise war und ist der Film seit eh und je freigegeben ab 6 Jahren. Diese Altersfreigabe beweist einmal mehr, dass eine Altersfreigabe nicht zwingend einer pädagogischen Empfehlung entspricht und sensibilisiert darauf, dass ein Zeichentrickfilm nicht zwingend seichte Kinderunterhaltung ist.

So, jetzt habt Ihr mal was persönliches erfahren! Ich wünsche Euch eine strahlende gute Nacht!

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