Medienkonsum und Lebenszeit – Wer die Wahl hat, hat die Qual!

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Sekt oder Selters? Wenn doch jede Wahl so einfach wäre, wie die Wahl des Getränks. Tagtäglich muss jeder Mensch unzählige Entscheidungen treffen. Sei es beruflich oder privat. Die meisten sind schnell und einfach getroffen, ohne dass man die nicht getroffene Wahl groß betrauern würde. Rückblickend haben wir natürlich alle schon mal die falsche Entscheidung getroffen. Was haben wir in der Regel dadurch verloren? Richtig! – Lebenszeit! Und gerade im Bezug auf die hochqualitative Medienvielfalt, die sich uns heutzutage bietet, ist es immer schwerer Entscheidungen zu treffen. Warum?
Unsere Lebenszeit ist knapp bemessen. Ich bin jetzt 32 Jahre alt. Wenn ich auf meine Gesundheit aufpasse, dann kann ich noch locker 50 bis 60 weitere Lebensjahre schaffen. Damit hätte ich jetzt, optimistisch gedacht, noch nicht mal meine Halbzeit erreicht.

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Als Medienliebhaber schaue ich gerne mal auf alles zurück, was ich konsumiert habe. Literatur, Videospiele, Filme, TV-Serien. Meine Mediathek füllt ein ganzes Zimmer. Von Platzproblemen ist noch nicht zu sprechen, aber irgendwann könnte es Thema werden. Jedenfalls, wenn ich zurückschaue, unterteile ich in

„war super, werde ich jedenfalls irgendwann nochmal konsumieren“

„war ok, aber werde ich nicht nochmal konsumieren“

und

„War nicht so toll. Damit habe ich nur Zeit verschwendet.“

Und gerade bei der letzten Feststellung beginne ich zu überschlagen, wieviel Lebenszeit ich verschwendet habe. Bei Büchern kann ich es nur schätzen. Ich habe zum Beispiel das Hauptwerk Karl Mays gelesen, was immerhin über 80 Bände umfasst. Ich habe so tolle Erinnerungen daran, dass ich dieses Erlebnis in meinem Kopf nicht mehr missen möchte. Jede Minute mit den spannenden Geschichten war ein Genuss für mich.

karl may

Andererseits habe ich versucht in 2 Anläufen „Harry Potter“ zu lesen. Beim ersten Anlauf kam ich zum 5ten Band, beim zweiten Anlauf bis zum 7ten. Und dennoch habe ich „Harry Potter“ nie zu Ende gelesen. Nun könnte man ja einfach nochmal Band 7 herauskramen und anfangen die Sache zu Ende zu bringen. Aber das geht nicht so einfach, denn mein zweiter Anlauf ist auch schon wieder 5 Jahre her, was bedeutet, ich müsste nochmal einen dritten Anlauf wagen. Und für den habe ich zur Zeit noch keine Motivation.

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Eine meiner Lieblings-TV-Serien ist „Twin Peaks„. Lediglich 30 Episoden und einen Kinofilm lang habe ich die Serie aber mindestens schon 8 Mal in meinem Leben gesehen und jedes weitere Mal als Genuss erachtet und werde sie noch mindestens 8 weitere Male schauen und wieder meinen Spass damit haben. Nun habe ich aber auch alle 8 Staffeln von „24“ im Regal. Und was das betrifft, würde ich die Serie so schnell nicht wieder schauen.

Wie man sieht, habe ich solche und solche Erfahrungen gemacht und bin immer wieder froh, wenn ich meine Medienkenntnis erweitern oder vertiefen kann. Auf Durststrecken ist es immer wieder schön, einem früher erlebten Medium einen neuen Besuch abzustatten. Aber die Durststrecken werden immer seltener, liebe Leser!

Die heutigen Autoren, Regisseure und Programmierer sind  viel ambitionierter denn je, qualitative und unterhaltsame Produkte abzuliefern. Kaum ein erfahrener Medien-Konsument (und das sind heute auch mehr als früher) hat noch Lust, sich selbst mit Klischees zu kasteien.Das haben die kreativen Köpfe spitz bekommen und in den letzten 20 Jahren unsere Medienwelt immer attraktiver und abwechslungsreicher gestaltet. Die vorhin erwähnte Serie „Twin Peaks“ hat ihren Beitrag dazu geleistet. Mit Sicherheit auch ein „Harry Potter“.

Noch 8 Folgen und ich habe demnächst „Fringe“ beendet. Aber was dann? Ich bin durchaus ein Mensch mit Durchhaltevermögen, aber nach einem längeren Serienerlebnis fällt die Wahl so unfassbar schwer, sich einer weiteren Produktion zu widmen. Weil es einfach so viele gibt, die meinem Geschmack entsprechen. Seit Jahren stehen Serien wie „Stargate“, „Star Trek„, „Farscape“ und „Andromeda“ auf der To-Watch-Liste im Kopf vermerkt. Aber bei der Länge der jeweiligen Serien, wird mir schummrig, wieviel Zeit ich noch investieren muss, um die hinter mir zu haben. Ich habe für mich die Taktik entwickelt, nur noch Serien zu schauen, die auch beendet sind. Aber wer weiss? Angenommen ich schaue erstmal „Andromeda“ ca. 3 bis 4 Monate lang, kann es sein, dass in der Zwischenzeit wieder etwas ganz anderes beendet werden wird. Und was dann? Dann muss ich eventuell „Stargate“ wieder weiter hinauszögern, weil ich etwas anderem Vorrang gewähre?

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Das selbe bei Videospielen. Da ist es sogar noch schlimmer! Ich liebe Rollenspiele. Nur sind Rollenspiele in der Regel das zeitaufwändigste Videospiel-Genre. Das heisst, man investiert wieder Lebenszeit in ein Videospiel, versucht abzuklappern, was man eventuell zu Hause gebunkert hat, aber man kommt einfach nicht hinterher, weil in der Zwischenzeit wieder neue Videospiel-Erlebnisse erscheinen.

Wenn man jetzt mal hochrechnet, wie attraktiv unsere Medien noch in Zukunft werden und wieviel Zeit man investieren müsste, alles zu konsumieren, was dem eigenen Geschmack entspricht, käme man prinzipiell nie hinterher.

Aus diesem Grunde habe ich eines getan, damit ich nicht allzu frustriert bin: Ich habe einfach akzeptiert, dass ich bis zu meinem Lebensende nie alles gelesen haben werden, was ich gerne lesen würde, nie alles geschaut oder gezockt haben werde, was ich mir gerne vornehmen würde. Das ist nunmal das Abenteuer.

Man hat ja noch ein Leben ausserhalb des Medienkonsums, das glücklicherweise mehr Zeit einnimmt. Beruf, Partnerschaft, soziale Kontakte, die Familie und Erlebnisse in der Umwelt sind trotz des umfangreichsten Hobbys die Aspekte, die am meisten Zeit einnehmen dürfen und müssen. Denn trotz des Abtauchens ist ein Auftauchen unerlässlich um nicht zu ersticken.

Und was den Medienhaufen angeht, der da noch kommt, denke ich an die Worte von Beppo Straßenkehrer: Statt das Ende einer langen Straße, betrachte ich am liebsten das nächste Stück!

www.youtube.com/watch?v=VHb5q2iYuuU

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