„Heul doch!“ – Die Spoiler-Pussy auf dem Prüfstand!

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Katsumata ist „der Freund“! Darth Vader ist Lukes Vater! Bruce Willis war die ganze Zeit tot! Yuria ist nicht gestorben! Commander Sinclair reist in die Vergangenheit und wird das spirituelle Oberhaupt der Minbari! James Tiberius Kirk stirbt nach dem „Treffen der Generationen“! Lockes Vater hat Sawyers Mutter erschossen! „Rosebud“ war der Schlitten von Citizen Kane! Norman Bates´ Mutter ist er selbst! Laura Palmer wurde von ihrem Vater getötet, der von einem Dämon besessen war!

Ich könnte die Liste noch beliebig fortsetzen an Sätzen, die einer neuen Gattung von Mensch die Haare grau werden lassen und ihnen die Tränen in die Augen treiben. Lasst sie Euch vorstellen: Die SPOILER-PUSSY!Bild

Medien werden immer spannender. Oftmals arbeiten sie auf Knalleffekte und nicht vorhersehbare Wendungen hin. Viele Menschen geniessen die dadurch entstehende Spannung und wollen sich keinesfalls diese verderben lassen. Bzw. definieren sie die Spannung dadurch, nichts über zukünftige Ereignisse in einem Medium wissen zu wollen.  Sie würden gar aggressiv werden, in Tränen ausbrechen und Freundschaften lebenslänglich kündigen, wenn ihnen jemand den kurzweiligen Spass an einem Buch, Videospiel, einem Film oder einer Serie vorwegnimmt. Darum hütet Euch, wenn Ihr Euch nicht zu der Gattung der Spoiler-Pussies zählt, aber welche in Eurem Freundes- oder Bekanntenkreis habt! Wenn Ihr Spass daran habt, Spoiler-Pussies zu ärgern, dann sucht Euch lieber eine, an deren Gegenwart Euch nichts liegt.

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Meiner Meinung nach wird Spannung völlig überbewertet! Eine der erfolgreichsten Fernsehserien aller Zeiten war „Columbo„. Und was war das Erfolgskonzept? Dass der Zuschauer bereits zu Anfang erfuhr, wer wen auf welche Weise ermordete und der Rest der Folge nur noch davon handelte, wie Columbo den Fall löste. Neueres Beispiel gefällig? In der Serie „Death Note“ ist für den Zuschauer auch direkt ersichtlich, wer der geheimnisvolle Mörder Kira ist, aber Ermittler L weiss es eben nicht und versucht dahinterzukommen.

Somit ist Spannung nur eine Illusion. Man kann auch eine Geschichte unter Spannung verfolgen, auch wenn man bestimmte Wendungen in der Geschichte bereits kennt.

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Und dieses Anti-Spoiler-Verhalten wird irgendwie immer schlimmer. Mittlerweile ist es kaum mehr möglich mit jemandem ein Gespräch über ein Buch oder einen Film oder eine Serie zu führen, die derjenige nicht kennt. Sobald man beginnt davon zu erzählen, werden sich die Ohren zugehalten und Sätze gesagt wie: „Oh, Du spoilerst! Ich werde Medium XYZ aller Wahrscheinlichkeit bis zu meinem Lebensende hin NIE gucken, aber ich KÖNNTE! Und darum will ich nichts darüber wissen, das mir den Spass verderben könnte!“

WtF?

Vor 100 Jahren saßen die Leute auch in ihrem Literatur-Club, bekamen häufig vor dem Lesen eines Buches bereits das Ende verraten und lasen das Buch dennoch. Ich kenne Leute, die haben vor der Serie „Twin Peaks“ den danach entstandenen Film „Fire walk with me“ geschaut, in dem der Kern der Serie verraten wird und dennoch hatten sie ihren Spass mit dem Gesamtkonstrukt. In Zeiten, als Bücher und Videos noch unbezahlbares Luxusgut waren, liess man sich noch gerne von einem Bekannten von Anfang bis Ende erzählen, was in Medium XYZ passiert ist. Aber heute sieht die Sache anders aus. Wir haben eine Vielzahl vieler auf Spannung und Überraschung aufbauender Filme, Serien und Bücher und so ziemlich jeder kann sie kostengünstig erstehen.

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In Zeiten der VHS war es undenkbar, sich eine TV-Serie in einer Sammelbox zu kaufen. Da hätte fast schon ein halbes Monatsgehalt über den Ladentisch gehen müssen. Als die DVD aufkam und die ersten TV-Serien auf dem neuen Medium erschienen, konnte man für 120 bis 150 Euro eine ganze Staffel kaufen. Und heute, mehr als 10 Jahre später, können wir die Null weglassen. 10 bis 30 Euro pro Staffel sind ein fairer Preis, den jeder Liebhaber zahlen kann. Ganze Boxen, wie zum Beispiel das Weltraum-Epos „Babylon 5“ inklusive aller fünf Staffeln, aller dazugehöriger Movie-Specials etc. gibt es für nen Schnapper von nur 50 Euro!

Das heisst im Klartext, dass wir uns tolle Geschichten zum fairen Preis aneignen können. Sind sie deswegen aber in ihrem Wert gefallen? Ganz im Gegenteil! Das Auftauchen der „Spoiler-Pussy“ bestätigt, dass sich der Wert einer Geschichte verlagert hat. Der Wert wird nicht an dem finanziellen Aufwand mehr festgemacht, sondern an der Qualität der Geschichte. Je spannender, wendungsreicher und überraschender eine Geschichte ist, desto größer ist ihr Wert für den Konsumenten geworden.

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Eine Mediensammlung ist KEIN Status-Symbol mehr, um das man jemanden beneiden kann. Ein Durchschnittsverdiener kann sich früher oder später jedes Medium leisten, das ihn interessiert, ohne dass er sich dafür verschulden müsste oder man sagen könnte, er würde über seine Verhältnisse leben.

Wenn ich Bekannte oder Verwandte besuche, nutze ich immer einen strengen Blick ins Bücher- oder Filmregal. Unabhängig von der Menge verrät mir die Auswahl viel über den Geschmack des Konsumenten. Sucht jemand nach leichter und entspannender Kost? Will er sich mit Geschichten umgeben, die ihn emotional oder oder kognitiv fordern? Ist er auf ein Genre festgelegt oder allumfassend interessiert.

„Zeig mir Deine Medien und ich sage Dir, wer Du bist“ passt als Satz heutzutage ganz gut. Der Mediengeschmack eines Menschen ist bezeichnend geworden für seine Interessen und seinen Charakter.

Umso mehr man gesehen hat, desto mehr ist man sich der Klischees und wiederkehrenden Muster bewusst, die einem beim erleben einer Geschichte begegnen können. Die Spoiler-Pussy hingegen sucht nach Geschichten abseits von jeglichen Klischees und Konventionen. Die Spoiler-Pussy ist süchtig nach Überraschungen. Die Spoiler-Pussy würde NIEMALS vor einem Geburtstag die Schränke durchwühlen um zu gucken, was sie geschenkt bekommt.

Spoiler-Pussyfizierung ist ein Verhaltenskodex! Man kann ihm folgen und ihn omnipotent über jeglichen Medienkonsum setzen. Man kann aber auch einfach mal Fünfe gerade sein lassen und akzeptieren, dass gewisse Vorinformationen nichts an der Qualität des Endprodukts ändern!

In diesem Sinne….

ALLE STERBEN AM ENDE VON „LOST“!

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